Konventionelle Energiewirtschaft wehrt sich mit Händen und Füßen

Die konventionelle Energiewirtschaft bestehend aus Kohle- und Atomindustrie wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den bevorstehenden Strukturwandel hin zu einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien. Hierzu werden immer neue zweifelhafte Studien mit dem – in groben Zügen immer wieder gleichen Inhalt – aufgeboten.

Neuster Stichwortgeber ist eine Studie von McKinsey, die ein weiteres Mal belegen soll, dass der Umstieg der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien Billionen kostet und dass man Solarenergie volkswirtschaftlich viel sinnvoller dort nutzt wo mehr Sonne scheint – also in Südeuropa und Nordafrika – und Windenergie am Besten dort wo mehr Wind weht– also an den Küsten und vor den Küsten. Das klingt zunächst plausibel und scheint ein gutes Argument dafür zu sein z.B. die Photovoltaikförderung auf deutschen Hausdächern zu beenden. Man könnte es auch billiger bekommen so die plakative Überschrift. Der Sinn dieser Aussage liegt für die großen Stromproduzenten auf der Hand. Wenn man schon auf Erneuerbare Energien umstellen muss, weil die Mehrheit der Bevölkerung diese Notwendigkeit sieht, dann aber doch bitte “Erneuerbare Energien” die in zentralen Großkraftwerken wie z.B. dem Desertec Projekt oder großen Off-Shore Windparks produziert werden. Wo soll die deutsche Stromwirtschaft in Zukunft ihre Milliardengewinne hernehmen, wenn jeder seinen eigenen Strom mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach und dem Blockheizkraftwerk im Keller selbst produziert?

Es wird in diesen Studien, die uns die Kosten der Erneuerbaren Energien vor Augen halten immer von riesigen Belastungen philosophiert und es wird dabei unterstellt, man müsse diese Belastungen so gering wie möglich halten. Das ist aus meiner Sicht allerdings blanker Unsinn. Es würde dann gelten, wenn uns das Geld für den Umstieg fehlen würde und die Menschen Ihr Geld sinnvoller in anderen Bereichen investieren sollten. Jeder technologische Wandel ist mit Kosten verbunden. Das war schon immer so und wurde an anderer Stelle – zumindest soweit ich es wahrnehme – bei weitem nicht so kritisch diskutiert wie bei den erneuerbaren Energien.

Was hat uns z.B. wohl der Umstieg der Mobilität von der Kutsche zum Auto gekostet ? Eine unsinnige Frage, weil das Bedürfnis nach individueller Mobilität so viele Vorteile gebracht hat, dass die Kosten auf jeden Fall gerechtfertigt scheinen. Warum sollte dies beim Umstieg auf Erneuerbare Energien anders sein ? Das Bedürfnis nach dem Umstieg auf eine saubere und nachhaltige Energieversorgung ist groß in Deutschland. Es geht aber nicht nur um dieses Bedürfnis. Es geht auch um das Bedürfnis vieler Deutscher sich von der Umklammerung der großen Deutschen Energiekonzerne zu lösen. Das viel gepriesene Prinzip der Marktwirtschaft kann doch nur funktionieren, wenn es einen Markt mit vielen Anbietern und vielen Nachfragern gibt. Wenn man – wie es im Moment der Fall ist – ein Oligopol von vier großen Stromanbietern hat, hat das mit Marktwirtschaft nichts zu tun. Wie kann man diese Marktmacht zerschlagen ohne im großen Stil die staatliche Keule der Enteignung zu schwingen ? Indem man für einen gewissen Zeitraum einen Vorteil für tausende kleine Marktteilnehmer schafft und diesen die Möglichkeit gibt sich zu entfalten. Genau dies tut das deutsche EEG.

Das Argument es entstünde ein riesiger volkswirtschaftlicher Schaden wenn man auf dem eigenen Dach Solarstrom produziert anstatt ihn von der Stromwirtschaft aus einem Wüstenprojekt zu kaufen, ist in keinster Weise haltbar. Durch die Kostenreduzierungen der letzten Jahre bei der Photovoltaik wird der Strom dieser Anlagen schon in Kürze preiswerter sein, als der den die Stromversorger verkaufen und das trotz der geringeren Einstrahlung in Deutschland. Es geht hier um die Kosten an der Steckdose und nicht die Produktionskosten im Kraftwerk, denn welcher Stromverbraucher zahlt schon die immer wieder ins Feld geführten 4Cent/kWh, die der Strom aus einem Kohlekraftwerk angeblich kostet. Wenn Strom zu Grenzkosten verkauft wird, – wenn also bei abgeschriebenen Anlagen nur noch die reinen Produktionskosten für eine kWh betrachtet werden – ist Solar und Windstrom schon heute unschlagbar billig.

Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen haben nämlich keine Brennstoffkosten. Ist die Anlage erst einmal abgeschrieben, ist der Strom im Prinzip kostenlos. (Von einigen Wartungsaufwendungen vielleicht einmal abgesehen). Nun könnte man argumentieren, die Kapitalbindung sei bei kleinen Wind – und Photovoltaikanlagen viel höher im Vergleich zur Produktion der gleichen Energiemenge in großen zentralen Kraftwerken unter besseren Einstrahlungsbedingungen. Das stimmt eventuell sogar (die Transportkosten sind auch nicht unerheblich, so dass hier durchaus noch ein Fragezeichen bleibt) es stellt sich dann allerdings die Frage was mit dem in Photovoltaik- und Windkraftanlagen gebundenen Kapital sonst passiert wäre?

Die jüngste Finanzkrise hat gezeigt, dass Billionen in Deutschland in zweifelhaften Wertpapieren angelegt wurde, die zum Teil nichts anderes als eine Kasinowette waren. All das Geld, dass sich durch die Schornsteine der Finanzindustrie für immer verabschiedet hat, wäre selbst in der schlechtesten Photovoltaikanlage im dunkelsten Teil Deutschlands besser aufgehoben gewesen. Auch die immer wieder angeführte Gefahr einer “Fehlallokation von Finanzmitteln” wie sie entsteht, wenn durch staatliche Förderung unsinnige Projekte gefördert werden, die später niemand wirklich braucht, sehe ich hier nicht. Es wird niemals dazu kommen, dass Photovoltaikanlagen oder Windkraftanlagen die schon gebaut wurden, stillgelegt werden, weil der Strom nicht mehr gebraucht wird. Diese Art von staatlich geförderten Investitionsruinen sind unwahrscheinlich da es ja erstens keine Brennstoffkosten gibt und da Strom immer gebraucht wird. Wenn z.B. zuviel Strom im Netz ist und keine Einspeisung mehr möglich ist, kann man mit Überschüssen immer noch mit Wärmepumpen Wärme erzeugen. Man könnte in Zukunft z.B. auch mit Überschussstrom Wasserstoff erzeugen und diesen ins Erdgasnetz einspeisen. Eine Verwendung für Strom wird es immer geben.

Vielleicht wären die “Studien schreibenden Volkswirtschaftler” gut beraten statt ständig an der Sinnhaftigkeit des EEG und der deutschen Förderung Erneuerbarer Energien zu zweifeln und Kosten-Horrorszenarien aufzuziehen, einmal zu überlegen wie man dieses Instrument auch dafür nutzen könnte bessere Speichertechnologien zu bekommen und das vielzitierte Smart Grid (intelligente Stromnetz) auf den Weg zu bringen. Die technischen Innovationen die dafür notwendig sind kommen nämlich mit Sicherheit nicht von den marktbeherrschenden Unternehmen der Stromwirtschaft. Wenn wir auf die warten, dann warten wir ewig.

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