Netzprüfung: Wie viel Solarstrom kann eingespeist werden?

Netzverträglichkeitsprüfung heißt ein Schlagwort, dass schon zu vielen Diskussionen und Streitereien – zwischen denen die gerne einspeisen möchten und denen die den Strom abnehmen sollen – geführt hat. Was es damit auf sich hat und warum Beschränkungen nicht immer nur als Böswilligkeiten des Netzbetreibers gewertet werden können, soll der folgende Beitrag zeigen.

Die Abnahme von Strom aus Photovoltaikanlagen ist in Deutschland ja bekanntlich durch das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) geregelt. Dort wird vorgeschrieben, dass der Stromnetzbetreiber zur Abnahme des angebotenen Stromes verpflichtet ist. Warum nicht an jedem Punkt eines Stromnetzes die gleiche Leistung eingespeist werden kann und welche technischen und formalen Hintergründe die maximal einspeisbare Leistung festlegen, soll nachfolgend beschrieben werden.

typischer Netzverknüpfungspunkt in einem MehrfamilienhausBei der Einspeisung von Strom in ein Stromnetz muss der Einspeiser eine etwas höhere Spannung erzeugen als diejenige, die an dem jeweiligen Netzverknüpfungspunkt vorliegt. Netzverknüpfungspunkt ist das etwas sperrige Wort für die Stelle an der das “öffentliche Netz” ins Hausnetz übergeht, also dort wo in einem Haus der Stromzähler bzw. der Hausanschlusskasten sitzt. Wenn eine Einspeisung nur möglich ist, wenn die einspeisende Spannung etwas höher ist als die Netzspannung, stellt sich natürlich unmittelbar die Frage: Um wie viel höher muss die Einspeisespannung sein ?

Um dies zu verstehen, muss man wissen, dass es eine ideale Spannungsquelle in der Realität nicht gibt. So hat unser öffentliches Netz nicht immer exakt eine Spannung von 230V sondern diese Spannung schwankt. Misst man zum Beispiel an einer Doppelsteckdose die Spannung und steckt in den benachbarten Stecker einen Verbraucher (zum Testen am besten einen großen Verbraucher) dann sinkt die Spannung sobald der Verbraucher eingeschaltet wird. Der Stromfluss vom Kraftwerk zum Verbraucher geht nämlich mit den verschiedensten Verlusten einher. Verlust bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Teil der Spannung auf dem Weg vom Kraftwerk zum Verbraucher auf der Strecke bleibt. Elektrotechniker sprechen hier von einem Spannungsabfall. In einem idealisierten Bild stellt man sich als Elektrotechniker eine Steckdose als ideale Spannungsquelle vor, zu der ein ohmscher Widerstand in Reihe geschaltet wurde. Diesen Widerstand bezeichnet man als Innenwiderstand. Da es in einem realen Strometz nicht nur einen ohmschen Widerstandsanteil, sondern auch einen kapazitiven und einen induktiven Widerstandsanteil gibt bezeichnet man diesen Widerstand auch als Impedanz. Da die Berücksichtigung der kapazitiven und induktiven Innenwiderstände, die man an jeder Steckdose findet zum grundsätzlichen Verständnis dessen was in diesem Beitrag erklärt werden soll, nicht notwendig sind wird im Folgenden mit einer rein ohmschen Betrachtung gearbeitet. Nutzen Sie zum Verständnis des ohmschen Widerstandes am Besten die Analogie zum Wasser: Wenn die Stadtwerke auf eine Wasserleitung einen bestimmten Druck geben, dann wird durch ein dickeres Rohr (bei gleichem Anfangsdruck) eine größere Menge Wasser fließen als durch ein dünneres Rohr. Je dünner das Rohr ist, desto größer ist sein Widerstand. Übertragen auf die Elektrotechnik bedeutet dies: Je kleiner der Kabelquerschnitt, desto größer ist der Widerstand und je kleiner ist der Strom bei gleicher Spannung.

Prinzipschaltbild einer Spannungsquelle. Quelle: WikipediaBetrachtet man nun wieder die Steckdose, so wird der Rückgang der Spannung beim Einschalten eines großen Verbrauchers von zwei Größen abhängen:

  1. Vom vorher beschriebenen Innenwiderstand des Netzes der sogenannten Netzimpedanz
  2. und von der Größe des entnommenen Stromes. (Bei einem Heizlüfter ist der Effekt größer als bei einem Transistorradio)

Was aber hat all das mit der Einspeisung von Solarstrom zu tun ?

Ganz einfach, bei der Einspeisung von Solarstrom in ein Netz ändert sich lediglich die Stromrichtung (hier wird der Einfachheit halber nicht das Wechselstrommodell beschrieben, bei dem eine Phasenumkehr um 180° stattfindet, sondern das intuitivere Bild des Gleichstromes. Zum grundsätzlichen Verständnis des Beschriebenen ist dies vollkommen ausreichend.) Der Spannungsabfall am Innenwiderstand des Netzes kehrt dadurch sein Vorzeichen um. Zum Verständnis soll dies an einem einfachen Beispiel veranschaulicht werden: Das Netz habe eine Impedanz von 300mOhm, die Netzspannung vor der Einspeisung betrage 230V. Wenn man in dieses Netz nun z.B. einen Strom von 50A einspeisen möchte, muss der Wechselrichter eine Spannung von 230V + 50A*0,3Ohm = 245V erzeugen. Sollen gar 100 A eingespeist werden muss die Spannung auf 260V erhöht werden. Diese 260V hat man dann aber nicht nur direkt an der Einspeisestelle sondern im ganzen Haus (zumindest in der näheren Umgebung des Einspeisepunktes). Auch der Nachbar wird noch eine erhöhte Spannung an seinen Steckdosen messen können. Je weiter man sich vom Einspeisepunkt entfernt, je niedriger wird die Spannung wieder, da auf den Kabeln ein Spannungsabfall stattfindet. Bitte bedenken Sie in diesem Zusammenhang, dass es sich bei dem Bild der idealen Spannungsquelle mit dem in Reihe liegenden Widerstand um ein Modell handelt, dass die Wirklichkeit stark vereinfachend abbildet. In Wirklichkeit handelt es sich natürlich nicht nur um eine Spannungsquelle, sondern um sehr sehr viele – repräsentiert durch sämtliche Kraftwerke in einem Verbundnetz – und sehr viele Widerstände – repräsentiert durch Stromkabel, Transformatoren und Verbraucher. Für die betrachtete Steckdose bietet das Modell aber eine gute Beschreibung dessen, was man messen kann.

Aus dem obigen Beispiel wird schnell klar, dass man durch die Einspeisung von Strom die Netzspannung in der Nähe des Punktes an dem man einspeist – im allgemeinen als Netzverknüpfungspunkt bezeichnet – in nicht unerheblichen Maße erhöhen kann, abhängig davon wie viel Strom man einspeist und wie hoch die Netzimpedanz (die Summe aller Widerstände von der Spannungsquelle Kraftwerk bis dort hin) ist. Hier sind nun die Netzbetreiber gefragt, die dafür sorgen müssen, dass an keiner Stelle des Netzes die Spannung über einen zulässigen Höchstwert angehoben wird. Dieser Höchstwert beträgt nach deutscher Norm 230 V *1,1 = 253 V. Ist die Netzspannung trotzdem einmal höher könnte es nämlich sonst passieren, dass Verbraucher dadurch beschädigt werden.

Man kann nach dem oben gesagten also die Netzimpedanz an dem geplanten Einspeisepunkt für eine Photovoltaikanlage messen und damit abschätzen, wie sich die Spannung bei der Einspeisung verändern wird. Diese Messung kann jeder Elektromeister mit einem sogenannten Schleifenmessgerät durchführen, ein Gerät, dessen Besitz er nachweisen muss, wenn er die Konzession eines Netzbetreibers erlangen möchte. Diese Netzimpedanz kann natürlich für alle drei Netzphasen getrennt ermittelt werden und kann sich durchaus zwischen den Phasen auch unterscheiden. Ein Problem, dass sich hierbei stellt und das bisher unerwähnt blieb ist die Tatsache dass die Netzimpedanz eines bestimmten Netzanschlusspunktes keine konstante Größe ist sondern im Verlauf der Zeit starken Schwankungen unterliegen kann. Das liegt ganz einfach daran, dass die Impedanz eben auch durch die Verbraucher in einem Netz mit beeinflusst wird. Wenn nun in einem Haus gerade mal der Elektroherd, die Waschmaschine und der Staubsauger gleichzeitig laufen, sinkt die Netzimpedanz erheblich ab und es könnte in diesen Zeiten mehr Leistung eingespeist werden ohne dass man die obere Spannungsgrenze erreicht als dies in Schwachlastzeiten der Fall ist, wenn also niemand zu Hause ist und alle Verbraucher ausgeschaltet sind. Diese Tatsache macht die Beurteilung eines Netzverknüpfungspunktes für einen Netzbetreiber natürlich etwas knifflig. Viele Netzbetreiber halten sich daher stur an die “Richtlinie zum Netzparallelbetrieb von Eigenerzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz” des BDEW (Nachfolgeorganisation des VDEW). (Die Richtlinie stammt aus dem Jahr 2001 und wurde im Jahr 2004 und 2005 ergänzt. Außerdem gibt es inzwischen noch eine Richtlinie für den Betrieb von Eigenerzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz sowie eine Ergänzung dazu aus dem Jahr 2009. Diese Richtlinie interessiert nur wenn man bei größeren Anlagen eine eigene Trafostation aufbaut.) Hier wird festgelegt, dass sich die Netzspannung durch Einspeisung nur um maximal 2% gegenüber dem Wert ohne Einspeisung erhöhen darf. In obigem Beispiel würde das bedeuten, dass man bei einer Netzimpedanz von 300mOhm gerade einmal 15,33A pro Netzphase also eine Leistung von 230V*1,02*15,33A =  3597W einspeisen dürfte. Bei dreiphasiger Einspeisung wären das dann 10,791 kW. Will man mehr einspeisen müsste die Netzimpedanz gesenkt werden und das geht nur durch eine Verringerung des Widerstandes der Zuleitung zum Netzverknüpfungspunkt und damit durch die Verlegung eines neuen Kabels mit größerem Leitungsquerschnitt.

Ärgerlich und daher auch immer wieder umstritten ist die Vorgehensweise vieler Netzbetreiber, die die strenge 2% Regel oft nur dann anwenden, wenn der erforderliche Netzausbau durch den Kunden bezahlt werden muss. Das EEG regelt (siehe: §5 EEG, §9 EEG und §13 EEG)  dass der Einspeiser die Kosten für den Anschluss am nächstgelegenen Verknüpfungspunkt zahlen muss und dass bei Anlagen bis 30 kW der Hausanschluss des jeweiligen Grundstückes als nächst gelegener Verknüpfungspunkt gilt.Ist dieser Verknüpfungspunkt nicht geeignet müssen die Kosten für den Netzausbau bei diesen kleineren Anlagen vom Netzbetreiber getragen werden. Bei größeren Anlagen ( über 30kW) kann der Netzbetreiber dem Einspeiser einen anderen Verknüpfungspunkt als seinen Hausanschluss – z.B. die nächst gelegene Trafostation – zuweisen. Ob und wann er das tut liegt in seinem Ermessen. Dadurch bleiben in diesem Fall die Kosten für Kabel und Erdarbeiten am Einspeiser hängen. Besonders ärgerlich ist dies, da die 2% Grenze absolut willkürlich gesetzt wurde. Der Netzbetreiber hat schließlich lediglich die Aufgabe dafür Sorge zu tragen, dass in seinem Netz keine Verbraucher durch eine zu hohe Spannung geschädigt werden und dass es nicht durch zu hohe Einspeiseströme zu einer unzulässig großen Erwärmung der Stromkabel kommt. Die vorhanden Stromkabel müssen für bestimmte Verbraucherströme ausgelegt werden, daher wäre es im Prinzip nur fair auch bei der Einspeisung gleiche Ströme zuzulassen. Schließlich werden die Kabel durch die Einspeisung ja faktisch entlastet und nicht zusätzlich belastet. Um die Bedingung der maximal zulässigen Netzspannung nicht zu verletzen könnte die in jedem Wechselrichter vorhandene Spannungsüberwachung auf der Netzseite genutzt werden um bei Überschreiten eines Schwellwertes den Wechselrichter zum Abschalten zu zwingen. (Die Wechselrichter tun dies ohnehin wenn sie sich konform zur VDE 0126 Richtlinie verhalten.) Ein guter Kompromiss wäre daher meiner Meinung nach den Einspeiser an entlegenen Netzverknüpfungspunkten darauf hinzuweisen, dass es bei großen Einspeiseleistungen hin und wieder zu Wechselrichterabschaltungen kommen kann. Liegt die Einspeiseleistung unter 30 kW muss der Netzbetreiber durch einen Netzausbau dafür sorgen, dass die Abschaltungen verhindert werden. Liegt die Einspeiseleistung über 30 kW, muss der Einspeiser die temporären Abschaltungen entweder akzeptieren oder den Netzausbau selbst finanzieren. Aber das ist leider nur meine persönliche Meinung und bis Dato keine gängige Praxis. Es soll aber darauf hingewiesen werden, dass die genannte Richtlinie kein Gesetz ist und von den Netzbetreibern durchaus flexibel ausgelegt werden kann und auch wird. Es sei nebenbei bemerkt, dass man als Einspeiser den gelegentlichen Abschaltungen durch die Wechselrichter wegen zu großer Netzspannung auch dadurch begegnen könnte, indem man ein lokales Energiemanagement betreibt und die Netzimpedanz durch große Verbraucher immer dann nach unten zieht, wenn gerade große Solarleistungen eingespeist werden. Wie weiter oben beschrieben wurde gibt es ja zwei Möglichkeiten zu hohe Spannungen zu verhindern: Reduzierung des Einspeisestromes oder Absenkung der Netzimpedanz am Einspeisepunkt zum Beispiel durch Zuschalten von Verbrauchern.

Kommentare

  1. “Ganz einfach, bei der Einspeisung von Solarstrom in ein Netz ändert sich lediglich die Stromrichtung (hier wird der Einfachheit halber nicht das Wechselstrommodell beschrieben, bei dem eine Phasenumkehr um 180° stattfindet, sondern das intuitivere Bild des Gleichstromes”

    Wie kommst du auf eine Phasenumkehr von 180 Grad? Damit würdest du das Netz kaputt machen, bzw. deinen Wechselrichter etc.
    Woher hast du die Information?

    Ist ein interssanter Beitrag.

  2. Hallo,

    beantworten Sie sich die Frage selbst:
    Wie kann man bei einem Wechselstrom die Stromrichtung ändern ?
    Antwort: garnicht sie ändert sich ohnehin alle 10ms. (bei 50Hz). Man kann aber die Phasenlage des Stromes gegenüber der Spannung um 180° verschieben. das entspricht dann einer Stromumkehr beim Gleichstrom.

    Gruß pvbuero

  3. Hallo also das mit der 180° Phasenverschiebung bei Einspeisen verstehe ich immer noch nicht.
    Gibt es dazu irgendwelche Literatur die das verdeutlicht bzw. wie werden den die 180° technisch erreicht?

    mfg

  4. Hallo,da ich die Vorkenntnisse der Leser hier nicht kenne kann ich die Frage schlecht mit wenigen Worten beantworten. Stichworte die in die richtige Richtung führen wären: Summe aller Spannungen in einem Stromkreis ist Null.(zweite Kirchhoffsche Regel: de.wikipedia.org/wiki/Kirchhoffsche_Regeln#Hintergrund ) Der entscheidende Satz in obigem Link: “So bewegen sich in dem nebenstehenden einfachen Stromkreis die Ladungen innerhalb des Widerstandes mit dem elektrischen Feld, und innerhalb der Spannungsquelle bewegen sie sich dem Feld entgegen.” Einfach mal nach Wechselstrom und Phasenverschiebung googeln, da gibt es vieles zu dem Thema.Gruß pvbuero

  5. Hallo,
    Warum sind für die Netzeinspeisung 220/230V von Bedeutung und nicht die 400V des Drehstrom Hausanschlusses?
    ((400*0,02)/0,3)*400*1,02*3 würden 32.6kW entsprechen….
    Danke

  6. Hallo,
    Die einphasigen Wechselrichter speisen in die Phasenspannung (in der Regel L1 gegen N ein). Auch die meisten Drehstromwechselrichter speisen nicht in die verkettete Spannung sondern in die drei Phasenspannungen ein. Einige Geräte (z.B. Kaco 33000xi) sind drei einphasige Geräte in einem Gehäuse und bei denen die drei Leistungsteile sogar separat geregelt werden, so dass der N Leiter notwendig ist (Im Fall von Unsymmetrien.)
    Gruß pvbuero

  7. Hallo . Ich hätte da aber noch ne Frage, villeicht bin ich auch zu doof um das zu verstehen 🙂 also :nehmen wir mal an ich hab eine steckdose welche vom netz (230V)und paralell von der PV Anlage welche auch 230V erzeugt gespeist wird.
    und die PV Anlage hätte 10kW. Wie verteilt sich jetzt der aufgenommene Strom wenn ich jetzt ein Verbraucher von z.b 5kW anschliesse?. Kann das vorkommen das z.b die 5kW nur aus dem Netz gezogen werden und kein Strom von der PV Anlage gezogen wird? somit würde die PV Anlage ja gar keinen Strom produzieren ?? oder teilt sich der Strom da immer 50 zu 50 auf?

    Weil irgendwie versteh ich das nicht, es hatt ja dann keinen Sinn eine grosse Anlage zu errichten von z.b 100kW wenn ich den Strom nicht ins Netz oder nur Teilweise ins Netz einspeisen kann.So wie ich das verstehe wird von deenen 100kW die die Anlage erzeugen kann nur dann Strom ins Netz gespeist wenn z.b strom fehlt. Und wenn ich Pech habe erzeugt meine 100kW Anlage nur 2 kwh am tag ?

    villeicht ist ja jemand hier der versteht was ich meine 🙂 und kann mir weiterhelfen .
    danke schonmal im vorraus.

  8. Hallo Thomas,

    vielleicht gibt es hier noch ein grundsätzliches Mißverständnis. Ich versuche es mal zu erklären:
    Wenn eine Photovoltaikanlage korrekt ausgelegt ist, hat der Solargenerator stets (auch bei hohen Temperaturen und sehr geringer Einstrahlung) eine Gleichspannung, die es ermöglicht eine Wechselspannung zu erzeugen die leicht über der Netzspannung liegt. Das muß (korrekte Auslegung vorausgesetzt) auch gelten wenn die Netzspannung am Einspeisepunkt sehr hoch ist. (z.B. 250V). Der Wechselrichter ist also jederzeit dazu in der Lage den Strom ins Netz zu drücken. Die eingespeiste Leistung wird dann entweder an den nächstgelegenen Verbrauchern verbraucht oder sie führt zu einer minimalen Erhöhung der Netzfrequenz, was gleichbedeutend mit einer höheren Drehzahl aller Generatoren im europäischen Verbundnetz ist. Durch die schnellere Rotation aller Generatoren wird die überschüssige Energie sozusagen in Form von Bewegungsenergie gespeichert. Wenn nun die zulässige Maximaldrehzahl (Maximalfrequenz) bereits erreicht wurde bleibt keine andere Wahl, als Solarenergie zu verschenken und den Wechselrichter “künstlich” dazu zu veranlassen weniger Strom einzuspeisen als er eigentlich könnte.

    Gruß pvbuero

  9. Frage zur Blindstromkompensation mit PV Anlagen:
    Da wir ja heute über Powerline Netzwerke verfügen, sollte es doch möglich sein, geeignete Regelwerke so aufzubauen ,dass beim Einspeisepunkt zur Mittelspannung (Transformator) der entsprechende Blindstromanteil gemessen wird und der daraus resultierende Wert als Information an den echten 3 Phasigen PV Wandler DC/AC als Regelgrösse ausgegeben wird. Auf diese Weise könnten doch Induktive und Kapazitive Lasten wie Motoren (Wärmepumpen ect.) oder Elektronische Vorschaltgeräte (EVG) bei Leuchtstoffröhren oder von Sparlampen, Gasentladungslampen usw. im Netzwerk kompensiert werden. Es wäre doch im Interess der Netzbetreiber, diese Energie, welche Kabelquerschnitte zu verringern hilft und ebenfalls als Phasenschieber- Netzwerk dienen könnte. Dieses Phasenschieben welches heute teilweise durch Kleinflusskraftwerke ausgeführt wird, könnte durch dies Massnahme die Kraftwerke wesentlich entlasten.

    Gruss Fritz

  10. Hallo Fritz,
    nach der neuen, ab 2012 geltenden Richtlinie zum Netzparallelbetrieb von Eigenerzeugungsanlagen ist es vorgeschrieben, dass Photovoltaik-Wechselrichter Blindleistung (kapazitiv und induktiv) liefern können müssen. Es wird also genau in die Richtung gehen, dass Photovoltaikanlagen einen Beitrag zur Netzstabilität liefern.

    Gruß pvbuero

  11. Hallo. Danke für den Artikel. Was die Kurzschlussimpedanz bei PV-Anlagen angeht, hätte ich eine Frage.
    Wenn in einem Verteilnetz dezentrale Erzeugungsanlagen hinzugefügt werden, ändert sich die Kurzschlussimpedanz. Ergibt sich bei Teillastbetrieb des Wechselrichters eine andere Kurzschlussimpedanz als bei Einspeisung der maximalen Leistung? Und für den Fall, dass die Module eine geringere Eingangsspannung an den Wechselrichter abgeben als die Start-Eingangsspannung (z.B. nachts): Ist die Anlage in dem Fall vom Netz getrennt und nimmt die Kurzschlussimpedanz wiederum den Wert an, den sie vor Inbetriebnahme hatte?

    Gruß Anja

  12. Hallo Anja,
    die Kurzschlussimpedanz an einem bestimmten Netzverknüpfungspunk ist lastabhängig. Wenn der Wechselrichter eine größere Leistung einspeist ist die Impedanz kleiner, bei geringerer Einspeisung ist die Impedanz größer, nachts ist die Impedanz genauso groß als wäre gar keine Photovoltaikanlage vorhanden. Die Anlage ist dann ja galvanisch vom Netz getrennt.

    Gruß pvbuero

  13. Hallo, hat jemand einen Anschlussplan für das Modell “Stromverkauf in unmittelbarer Nähe”?
    Ich würde gern vom neuen Haus mit Photovoltaikanlage den erzeugten Strom an das Nachbarhaus weiterleiten.
    Eigenverbrauchserhöhung!!!!
    Ein Erdkabel kann problemlos über 20 meter länge durch den Garten gezogen werden.
    Wie müsste der Anschluss am Haus mit Photovoltaik sein und wo müsste am Haus ohne PV eingespeist werden?
    Vielen Dank für Eure Antworten.

  14. Vielen Dank für diese tolle Erklärung! Habe zuvor über eine Stunde erfolglos nach einer nachvollziehbaren Darstellung des Einspeisevorgangs von PV im Hinblick auf Strom und Spannung gesucht…

  15. Hallo Matthias,

    Danke für den Artikel – die Zusammenhang zwischen Netzimpedanz und max. Einspeiseleistung ist mir nun viel klarer.

    Zwei Fragen zum Thema Netzimpedanz sind bei mir Lesen gekommen:

    1. Zwischen welchen zwei Punkten im Netz wird denn die Netzimpedanz gemessen? Ist das die Impedanz zwischen Netzverknüpfungspunkt und Ortsnetztrafo?

    2. Wenn der Netzbetreiber die Netzimpedanz bestimmt, macht er das über eine Messung oder computergestützt durch ein Simulationsmodell?

    Vielen Danke!
    Ben

    1. Antwort auf Frage 1: Die Netzimpedanz wird in der Regel am jeweiligen Netzanschlusspunkt (Hausanschlusskasten) gemessen. Der gemessene Wert ist sozusagen die Summe aller Impedanzen von der Spannungsquelle bis zu dem Punkt an dem gemessen wird. Da spielen sämtliche Transformatoren mit rein und natürlich die Leitungen auf der Nieder- und auf der Hochspannungsseite.
      Antwort auf Frage 2: Der Netzbetreiber kann das mit Hilfe eines Netzmodells rechnen. In der Regel wird allerdings gemessen. Es gibt dafür Messgeräte, die für eine sehr kurze Zeit (einige Millisekunden) einen sehr großen Strom aus dem netz ziehen. Gleichzeitig wird der Spannungsrückgang und die Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung gemessen. Aus diesen Messwerten lässt sich dann die Netzimpedanz (mit Wirk und Blindanteil) berechnen.
      Matthias Diehl pvbuero

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