Gedanken zur Energiewende

Sommerzeit, Urlaubszeit. Der ideale Zeitpunkt einmal abseits von den täglichen Diskussionen und Aufgeregtheiten eine Standortbestimmung vorzunehmen, über den Stand der Energiewende, die Rolle der Photovoltaik und die Lage der Politik im allgemeinen.

Über 7,5GWp betrug der Zubau an Photovotaikanlagen in Deutschland im letzten Jahr. Die Photovoltaik ist damit endgültig den Kinderschuhen entstiegen und leistet bereits einen nicht mehr ganz zu vernachlässigenden Beitrag zur Stromversorgung in Deutschland. Die Rede ist hierbei weniger von den ca. 4% des Stromverbrauches, den die Anlagen liefern, sondern von der Leistung von über 20GW, die an sonnigen Tagen bereits von diesen Anlagen zur Verfügung gestellt werden und das genau zu einer Zeit, zu der früher teure Spitzenlastkraftwerke gebraucht wurden. Auch die preisliche Entwicklung der Photovoltaik hat alle Erwartungen, die Politiker einst in sie gesetzt hatten übertroffen. Die sogenannte Netzparität ist erreicht und selbst im vermeintlich trüben Deutschland ist Solarstrom vom Dach inzwischen billiger als Strom, den man aus der Steckdose vom Stromhändler bekommt.

Alles läuft also nach Plan, sollte man denken und das große Vorhaben der „Energiewende“ kommt zumindest auf dieser Baustelle gut voran.

Weit gefehlt. In der deutschen Solarbranche kriselt es, da deutsche Hersteller offenbar mit dem Preisdruck der chinesischen Konkurrenz nicht mehr Schritt halten können. Früher hat man noch versucht mit dem Argument besserer Qualität zu punkten, doch auch das zieht inzwischen nicht mehr, da chinesische Module in vielen Anlagen bereits ihre Qualität unter Beweis stellen. Schaut man genau hin, so ist dies auch nicht verwunderlich. Die Technikvorstände der großen chinesischen Hersteller haben oft zwei Pässe. Einen Australischen und einen Chinesischen. Studiert hat man an der Universität von New South Wales UNSW, bei einem gewissen Herrn Martin Green. Herr Green ist einer der renommiertesten Forscher auf dem Gebiet des kristallinien Siliziums und streitet sich regelmäßig mit dem Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme in Freiburg ISE um neue Wirkungsgradrekorde. Die Chinesen haben also nicht nur niedrige Preise, sondern auch erstklassige Technik. Bemerkenswert ist hierbei, dass man in China offenbar schneller dazu in der Lage ist Forschungsergebnisse auch in Serienprodukte zu verwandeln als in Deutschland. Die Pluto Technologie von Suntech mag hier als Beispiel dienen. Noch interessanter ist jedoch die Frage, warum die Chinesen ihre Module eigentlich viel preiswerter anbieten können als ihre deutsche Konkurrenz? Weil die Arbeitskräfte dort viel billiger sind als in Deutschland ist die erste Antwort, die man auf diese Frage normalerweise erhält. Doch wer sich einmal in einer modernen Solarfabrik umgesehen hat, findet dort kaum noch Mitarbeiter. Die Prozesse sind in hohem Maße automatisiert. Von der Zellfertigung bis zum fertigen Modul verrichten in erster Linie Maschinen die Arbeit. Fragt man weiter nach, hört man in erster Linie eine Antwort: Der chinesische Staat gebe zinsgünstige Kredite zur Finanzierung der Produktionen. Es ist von Milliardenkrediten die Rede, zu Zinssätzen von unter 1%.

Subventionen des chinesischen Staates sind also die Ursache und die Forderung nach Handelsbeschränkungen die direkte Reaktion. Zumindest beim deutschen Hersteller SolarWorld. Doch warum benutzen wir hier reflexartig den Begriff der Subvention, die einen scheinbar freien Wettbewerb zu behindern drohen.

Wenn die Chinesen irgendwann einmal einen ähnlichen Lebensstandard mit dem entsprechenden Energieverbrauch erreichen wollen, wie ihn die Amerikaner und viele Europäer jetzt schon haben, so wird dies nur mit massivem Einsatz Erneuerbarer Energien möglich sein. Die Chinesen haben also allen Grund dazu, dafür zu sorgen, das eine entsprechende Industrie entsteht.

Für einen Vertreter der reinen Lehre der „freien Marktwirtschaft“ ist das natürlich Blasphemie. Hier glaubt man ja nach wie vor die Geschichte vom Markt, der alle Probleme der Menschheit zu lösen in der Lage ist, wenn man ihn nur ungehindert agieren lässt. So würden zum Beispiel Erneuerbare Energien sich alleine dadurch etablieren, dass die Preise konventioneller Energien bei zunehmender Knappheit derart in die Höhe schießen, dass immer mehr Geld in die Alternativen fließt, bis sich schließlich die effizienteste Form der Alternativen durchsetzen wird. Systematisch ausgeblendet wird in solchen Modellen immer, dass ein freier Markt dazu tendiert, Monopole zu bilden, die den freien Wettbewerb um die beste Idee nach Kräften zu verhindern versuchen. Gerade der Energiemarkt in Deutschland ist ein Paradebeispiel dafür, wie ehemalige Staatsmonopole Ende der 90er Jahre privatisiert wurden und nun Wettbewerb „spielen“. Ich möchte nicht abstreiten, dass in gewissen Bereichen des Energiehandels so etwas wie ein wenig Wettbewerb Einzug gehalten hat. Dort wo das eigentliche Geld verdient wird, haben wir es aber nach wie vor mit Kartellen zu tun. Es ist daher geradezu lächerlich, nun ausgerechnet im Energiemarkt mit Argumenten daher zu kommen, die das ein oder andere staatliche Instrument als wettbewerbsverzerrend brandmarken. Ich würde dem Argument „staatliche Eingriffe in einen freien Markt seien problematisch“, noch nicht einmal grundsätzlich widersprechen. Beim Energiemarkt allerdings überhaupt von einem freien Markt zu sprechen ist mehr als lächerlich.
Die Chinesen betreiben also zukunftsweisende Energiepolitik, während die Deutschen mit ihrer Vorreiterrolle hadern und dabei Gefahr laufen, sie zu verlieren.

Wenn sich ein grundlegender technologischer Wandel vollzieht, ist es ein ganz normaler Vorgang, dass es Akteure gibt, die davon profitieren und in der Zukunft das Geschäft machen, das in der Vergangenheit von anderen gemacht wurde. Man überlege mal wo die Fa. Kodak oder die Fa. Agfa im Zeitalter der digitalen Photographie gelandet sind ? Wenn unsere Politik in Deutschland allerdings der Meinung ist, man könne eine neue Technologie befördern, ohne dass dabei auch die alte Technik zu Schaden kommt, so wird das nicht funktionieren. Im Gegenteil, es wird dazu führen, dass die Menschen ihr Geld zweimal ausgeben und zwar sowohl für die neue als auch für die alte Technik. So passiert es gerade im deutschen Strommarkt, der ja wie wir alle merken kein freier Wettbewerbsmarkt ist. Auf der einen Seite kommt immer mehr Strom aus Erneuerbaren Energien dazu, auf der anderen Seite, wollen unsere 4 Konzerne aber nach wie vor die gleichen Gewinne machen. Wie macht man weiter Gewinn bei sinkendem Absatz ? Ganz einfach, Indem man die Preise erhöht. Und genau das passiert ständig. Dass zum Beispiel die Photovoltaik inzwischen auch dazu beiträgt die Preise an der Strombörse massiv zu senken, kommt bei den deutschen Stromverbrauchern leider nicht an. Der Freie Markt existiert nicht. Wie kann es denn eigentlich sein, dass in Deutschland im letzten Jahr eine Grundlastkapazität von 7GW (7 Atomkraftwerke) weg gefallen ist, also ein massiver Rückgang des Angebots am Markt und trotzdem der Strompreis an der Leipziger Strombörse nicht gestiegen ist ? Ganz einfach. Man hat eine Verordnung erlassen, nach der der Strom aus erneuerbaren Energien über die Strombörse in Leipzig verkauft werden muss. Das Ganze geschah von der interessierten Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt ab 1.1.2010. Dadurch wurde – unter dem Vorwand der Schaffung von Transparenz- der Strom aus Erneuerbaren Energie direkt einem Wettbewerbsmarkt ausgesetzt, der für den größten Teil des konventionellen Stromes so noch nie gegolten hatte. Bis 2010 wurden etwa 15% des deutschen Stromverbrauchs über die Leipziger Strombörse gehandelt. Der Betreiber einer Solarstromanlage oder einer Windkraftanlage bekam und bekommt zwar nach wie vor die Einspeisevergütung nach dem EEG, der Strom wird allerdings anschließend an der Strombörse meistbietend versteigert. Und zwar Viertelstundenweise. Immer dann, wenn stark die Sonne scheint oder stark der Wind weht, sinkt der Strompreis an der Börse in den Keller, so wie es früher nur Nachts der Fall war, wenn der Verbrauch sehr stark zurück ging. Das Überangebot führt also zu Preissenkungen.

Gegen diese Form der Transparenz wäre ja grundsätzlich nichts zu sagen, wenn denn die Preisvorteile zu bestimmten Tageszeiten auch beim Kunden ankämen. Der Kunde jedoch zahlt den gleichen Preis wie vorher und berappt zusätzlich noch die Differenz zwischen der aktuellen Einspeisevergütung und dem aktuellen Börsenpreis (zum jeweiligen Zeitpunkt der Einspeisung) als EEG Umlage. Das bedeutet der Kunde zahlt umso mehr EEG Umlage, umso mehr der EEG Strom den Strompreis an der Börse drückt. Man spricht hier schon von einem Paradoxon. Es erscheint allerdings weniger paradox, wenn man bedenkt wer sich solche Regeln eigentlich ausdenkt? Die kommen natürlich von den „unabhängigen Netzbetreibern“ und Ihrer Lobbyorganisation BDEW. Diese sind ja seit kurzem, ausgelöst durch die sogenannte „unbundeling Richtlinie“ der EU von den Stromhändlern und den Übertragungsnetzbetreibern getrennt. Das heißt es sind die Herren der alten Stromkonzerne, denen man nun neue Visitenkarten verpasst hat.

Doch was nutzt das ganze Genörgel… Nichts. Wichtig ist allerdings in der Diskussion, dass man solche Mechanismen durchschaut, und dass sie auch als gezielte Manipulationen entlarvt werden. Die konventionelle Stromwirtschaft hat nur ein einziges Ziel: Die Erneuerbaren Energie und hier im Besonderen die Photovoltaik müssen beim uninformierten Bürger so teuer wie irgendmöglich aussehen und so stark wie irgendmöglich ausgebremst werden. Dazu wird die Wahrheit natürlich auch mal ein wenig überdehnt. Dazu werden Politiker entsprechend lobbyiert, dazu werden vorformulierte Texte mit manipulativem Inhalt in sozialen Medien verbreitet. Das volle Programm der orchestrierten Kommunikation eben, das man so drauf hat.

Sehr ärgerlich daran ist, dass inzwischen auch die Unterstützer der Erneuerbaren Energien nicht mehr so ganz genau wissen, wie teuer die Energiewende denn nun wirklich ist. Sicher ist nur, dass sie wesentlich billiger ist als es den Menschen von interessengeleiteter Stelle vorgegaukelt wird.

Doch jenseits dieser politisch- ökonomischen Grabenkämpfe möchte ich nun nochmal darauf zu sprechen kommen, welche weiteren Schritte aus meiner Sicht dringend notwendig sind um die Energiewende weiter voranzubringen.

Die erste entscheidende Frage ist ob der Zubau der Photovoltaik wirklich begrenzt werden muss. Dazu möchte ich ein wenig weiter ausholen. Solange ich über Energiefragen nachdenke und so sehr ich mir auch andere vielversprechende Ideen für eine nachhaltige Energieversorgung angesehen habe. Am Ende bin ich immer wieder bei der Photovoltaik gelandet, da sie die direkteste Nutzung der Sonnenenergie ist und da in ihr noch die größten Entwicklungspotenziale schlummern. Sicherlich ist auch die Biomasse eine interessante Option, doch kann die Biomassenutzung Ihre Vorteile – der ständigen Verfügbarkeit – nur ausnutzen, wenn man sie auch so einsetzt. Es müssten also dringend Regeln gefunden werden, damit Biomasseanlagen nur betrieben werden, wenn es keinen Strom aus Wind oder Sonne gibt. Die Flächeneffizienz von Anlagen zur Verstromung von Biomasse ist viel zu schlecht, als dass man diese Anlagen im großen Stil für die Grundlastversorgung nutzen könnte zumal es so etwas wie Grundlast in einem zukünftigen Energiesystem mit variablen Erzeugern und variablen Verbrauchern garnicht mehr geben wird. Denkt man bei der Energiewende nicht nur isoliert an den Strommarkt, sondern auch an Wärme und Mobilität, gibt es doch zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt keinen Anlass den Zubau von Solarstromanlagen zu begrenzen. Kann es denn überhaupt sein, dass man von einer Energieform, die problemlos in alle anderen Energiearten umgewandelt werden kann zu viel hat? Ich würde sagen nein. Rechnet man zum Beispiel mal aus wieviele kWh die im letzten Jahr zugebauten 7,5GWp Photovoltaikleistung in einem Jahr erzeugen und vergleicht diese Menge mit dem Energieinhalt des in Deutschland in einem Jahr verbrauchten Benzin, so entspricht die Solarstromerzeugung gerade mal 0,5% dessen. Es würde also 200 Jahre dauern, bis wir bei gleichen Zubauraten auch die Erdölimporte ersetzen könnten. Wieso um alles in der Welt sollten wir also den Zubau stoppen, zumal die Erdölimporte von Jahr zu Jahr teurer werden und Solarstrom gleichzeitig immer billiger wird.

Weil wir es uns nicht leisten können und weil es unsere Volkswirtschaft ruiniert, ist das letzte Argument, das den Solargegnern noch geblieben ist. Weil die Mehrkosten unsere Wirtschaft derart belasten, dass es zu sozialen Unruhen kommt, weil die Menschen Ihre Energierechnungen nicht mehr bezahlen können und die deutsche Industrie nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren kann.

Dass ein Land, das zunehmend in eine Verschuldungsfalle gerät und bei dem sich die Einkommensverteilung der Bevölkerung immer weiter auseinander entwickelt ein Problem hat, kann man nicht leugnen. Es ist ein grundsätzliches Problem unseres Geldsystems für dessen Lösung man hoffentlich eine friedliche Lösung finden wird. Warum muss eine freie Marktwirtschaft eigentlich unbedingt kapitalistisch sein ? (aber das nur nebenbei…) Daraus aber zu folgern eine Gesellschaft wie die Deutsche könnte sich den Umstieg auf Erneuerbare Energien nicht leisten ist lächerlich. Man stelle sich zum Beispiel einmal vor, wo eigentlich das ganze Geld privater Investoren, die nun eine Photovoltaikanlage ihr Eigen nennen oder die sich an einer einer Bürgersolaranlage beteiligt haben, wohl gelandet wäre, wenn sich diese Investitionsmöglichkeit nicht gefunden hätte. Ich möchte hier nicht spekulieren aber die Investition in US-amerikanische Immobilienfonds, die Investition in Feriensiedlungen in Spanien in denen niemand Ferien macht oder in irgendwelche spekulativen Wertpapiere haben dem deutschen Anleger im Schnitt sicherlich mehr geschadet, als die Investition in eine Photovoltaikanlage oder in einen Windpark. Ganz zu schweigen von den dem Schaden für die Steuerzahler, durch die Rettungsaktionen für die Finanzindusrie, die im Anschluss an diese Abenteuer noch notwendig wurden. Das hier Geld umverteilt wird, von allen die eine Stromrechnung bezahlen, zu denjenigen die das Geld haben – oder es leihen können- um eine Solarstromanlage zu bauen ist richtig. Aber wer zahlt eigentlich die Renditen von RWE und E.ON ? Das ist auch der Stromverbarucher und es ist nicht anzunehmen, die Hartz IV Empfänger, die so oft als Opfer der Solarstromförderung in Deutschland hingestellt werden, seien alle Aktionäre dieser Stromkonzerne. Die Umverteilung ist hier mindestens genauso groß, da sich ein Konzern selten mit den kleinen Renditen zufrieden gibt, die ein Solarstromanlagen Betreiber erzielen kann. Die Betonung liegt hier ausdrücklich auf kann, denn ganz ohne Risiko – wie es immer gerne dargestellt wird – ist auch diese Investition nicht. Es sei hier nur auf die bereits insolventen Modulhersteller verwiesen, von denen man wohl keine Garantien mehr erwarten darf.

Die -zugegeben etwas lange Ausführung – bringt mich zu dem Ergebnis, dass man den Ausbau der Photovoltaik nicht bremsen sollte. Im Gegenteil. Denn auch die viel beschworene Ausbau der Stromnetze ist für den Ausbau der Photovoltaik kaum von Nöten.

Die ein oder andere Stromleitung wird man benötigen, daran besteht kein Zweifel. Es stellt sich allerdings die Frage, warum man nicht mit ebenso großem Elan an der Kopplung des Erdgas und des Stromnetzes arbeitet. Das ist für mich der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende. Überschüssiger Strom kann überall dort wo er anfällt in Wasserstoff verwandelt und ins Erdgasnetz eingespeist werden. Erst ab eine Konzentration von ca. 5% Wasserstoff im Erdgasnetz müsste man die Methanisierung vorantreiben, das heißt mit Hilfe von Solar- oder Windstrom Wasserstoff erzeugen und diesen mit CO2 aus Biomasse zu synthetischem Methan verarbeiten. Dieses Gas ist im Prinzip das was wir Erdgas nennen. Gelingt dieser Prozess im großen Maßstab, ist sowohl das Transport als auch das Energiespeicherproblem gelöst oder zumindest der Lösung ein ganzes Stück näher.

Wie kommt man auf dieser Baustelle voran, und wie erreicht man möglichst effizient das Ziel. Hier wäre aus meiner Sicht ein gut funktionierender Markt eine gute Idee. Man kann, wie es in der konventionellen Energiewirtschaft immer üblich war, so etwas am Reissbrett entwerfen. Ein echter, funktionierender Markt, mit den richtigen Rahmenbedingungen, wäre hier allerdings sicherlich die bessere Lösung. Nur was heißt richtiger Markt? Ganz einfach: Wenn man auf einem funktionieren Markt ein Produkt kauft, dann ist es genau dann am billigsten, wenn es in großen Mengen vorhanden ist. Wird das Produkt knapp, steigt der Preis. Beim Strom ist es nun so, dass das Angebot und die Nachfrage schon im Zeitraum eines Tages erheblich schwankt. Warum schaffen wir also nicht einen Markt, in dem diese Preisunterschiede auch sichtbar werden ? Technisch wäre es sicherlich kein Problem der Netzspannung ein Rundsteuersignal mitzugeben, das den aktuellen Preis für die nächste Zeitperiode von – sagen wir einer Viertelstunde – repräsentiert. Wie würde wohl ein Strommarkt aussehen, bei dem jede Waschmaschine weiß – oder wissen kann – wie teuer der Strom gerade ist ? Es würde Anreize für Verbrauchsgeräte geben, die wir uns heute noch garnicht vorstellen können und viel der Regelleistung, die man momentan für das Zeitalter der Erneuerbaren Energien prognostiziert, würde womöglich nicht gebraucht. Klar sind hier noch ein paar Probleme zu lösen. Wie kann man zum Beispiel in jedem Haushalt den Stromverbrauch minutengenau abrechnen? Wer soll die Millionen an Stromzählern bezahlen, die dies ermöglichen würden. Aber ist das im Informationszeitalter wirklich noch immer ein unlösbares Problem? Der Staat sollte die Rahmenbedingungen setzen für den Markt und die Entwicklung des Marktes würde sehr schnell zeigen, wieviele Stromtrassen wirklich noch gebraucht werden und wieviele durch dezentrale Speicher schlicht überflüssig gemacht würden.

Einen echten Markt aber, soviel sei zum Schluss noch angemerkt, wird es im Energiebereich nur geben, wenn man neuen Marktteilnehmern eine angemessene Chance einräumt sich zunächst ungehindert zu entwickeln. Genau diese Chance bietet das EEG und daher ist es, auch wenn es von den Marktfanatikern als unzulässiger Eingriff gebrandmarkt wird, wichtig. Wenn man sich in Zukunft einen echten Energiemarkt wünscht, der Energie immer dann bereitstellt, wenn sie gerade gebraucht wird und in dem der Energiepreis zu jedem Zeitpunkt des Tages den Schnittpunkt aus Angebot und Nachfrage repräsentiert braucht man zunächst mal eine ausreichende Zahl an Anbietern, die den Kunden gegenüber stehen.

Es bleibt also auch weiterhin viel Raum für neue Ideen und konstruktiven Streit auf dem Weg zur Energiewende und es ist trotz mancher trauriger Nachricht aus der Solarbranche, wie sie uns in diesem Jahr erreicht hat, kein Grund zur Resignation. Das Projekt „Energiewende“ wird erst jetzt richtig Fahrt aufnehmen und die interessantesten Entwicklungen stehen uns sicherlich erst noch bevor…

pvbuero

Sardinien 07-2012

Kommentare

  1. Der Analyse kann ich weitgehend zustimmen, dabei sollte man aber einige Probleme nicht unterschätzen:
    Die Speicherung ist im Wesentlichen ungelöst (ich versuche es mit dem Lageenergiespeicher zu lösen).
    Wasserstoffumwandlung ist nicht sonderlich gut, was den Wirkungsgrad betrifft (unter 50% wenn man wieder Strom haben will).
    Aber auf jeden Fall vertragen wir ca 40% Solar und 60% Wind, zusammen 450GW, wie ich in meinem Blog versuchte darzustellen
    energiespeicher.blogspot.de/2012/01/wann-kommt-der-speicherbedarf.html

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