Solarpreis 2014 für die energieblogger in der Kategorie Medien

Premiere! Die erste Preisverleihung für die energieblogger. Eurosolar verlieh den Energie-Journalisten den deutschen Solarpreis in der Kategorie Medien. Am 25. Oktober fand die feierliche Preisverleihung in Witten, Nordrheinwestfalen statt.

Solarpreis 2014

Eröffnet wurde der Festakt von Dr. Axel Berg, Vorstand Eurosolar. Berg nahm zunächst in seiner Rede Bezug zum EEG 2014, das in Form von ca. 20 Ermächtigungen zu Rechtsverordnungen ein „durch die Luft fliegender Werkzeugkasten gegen die Energiewende“ sei, die vom Wirtschafts- und Energieministerium allein ohne Beteiligung von Parlament und Bundesrat bestimmt werden könnten. Auch der Klimamanager der Stadt Witten Lars König (CDU) übte überraschenderweise ähnlich wie Berg (SPD) unüberhörbar Kritik an der Bundespolitik seiner eigenen Parteikollegen und verwies darauf, dass er „als Vater einer 4-jährigen Tochter seine Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel nicht für ihre Energiepolitik verteidigen könne“.
Berg betonte, die einzelnen Preisträger seien die „Speerspitze der Bewegung in Deutschland für Dezentralität und Erneuerbare Energien“, was durch Herrn Lothar Schneider (Energieagentur NRW), der die Preisträger als „Leuchttürme“ sieht, die als Vorbild dienten, um die richtigen Weichen stellen zu können, bekräftigt wurde.

Irm Scheer-Pontenagel, Geschäftsführerin Eurosolar

Eurosolar Geschäftsführerin Irm-Scheer Pontenagel erklärte, warum die Preise in insgesamt 6 Kategorien vergeben würden. Hermann Scheer, der Gründer und langjährige Präsident von Eurosolar habe immer darauf hingewiesen, dass es bei der Energiewende um eine Energiequelle ginge, die dezentral auftritt und nur dezentral gesammelt werden könne. Daher seien auch die wichtigen Akteure, die neu entstehen, ebenso dezentral in den Kommunen, in den Gemeinden, was ein Riesen Spektrum auf allen Gebieten mit sich brächte. Durch die Solapreise der unterschiedlichsten Kategorien, die dezentral vergeben würden, könne das Thema lokal vor Ort in ihren jeweiligen Regionen ganz anders verankert werden, so Scheer-Pontenagel.

NRW-Umweltminister Remmel (Grüne), der später den Preisträgern ihren Preis überreichte, zeigte mit seiner Rede, dass in der Vergangenheit immer, wenn schnell gehandelt werden musste, ob beim Wiederaufbau 1945/46 oder im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung und schnell Infrastruktur aufzubauen war, sich nie an einer schwarzen Null orientiert wurde. „Die schwarze Null behindert die Energiewende“ war sein statement, denn auch heute hätten wir eine Situation, in der schnell und dringend gehandelt werden müsse. Es müssten die Weichen gestellt werden für ein neues Energiesystem. Dezentral – Erzeugung, Verbrauch, Wärme, Kälte, Gebäude und Mobilität systemübergreifend berücksichtigend. Im Augenblick hingegen würde versucht, neue Energie in einem alten System zu betreiben. Neuer Wein in alten Schläuchen sei noch nie die beste Lösung gewesen.

Als Preisträger des deutschen Solarpreises wurden geehrt:

1. Kategorie Städte/Gemeinden, Landkreise und Stadtwerke 

Die energieautarke Gemeinde Feldheim, Brandenburg für den Aufbau eines eigenen Stromnetzes zur Nutzung Erneuerbarer Energien. In Feldheim entsteht als Ortsnetzspeicher zur Zeit auch Deutschlands größter Batteriespeicher mit 10 MW, den ein Zitat von Hermann Scheer zieren wird: „Knapp sind nicht die Erneuerbaren Energien, knapp ist die Zeit“.

2. Kategorie Solares Bauen und Stadtentwicklung 

Die Galaxy Energy GmbH, Berghülen erhält den Solarpreis für ein solares PV-Indachsystem auf dem Firmensitz, das in Kombination mit einem 500 m³ Eisspeicher die abgesaugte Wärme aus dem Sommer in den Winter zum Heizen speichert und die Kälte aus dem Winter im Sommer zum Kühlen bereitstellt. Innovative Projekte aus eigener Kraft, die zeigen, wie es geht. Geschäftsführer Schöll meint hierzu: „Es gibt viele Konzepte und Ideen mit „es könnte“ oder „vielleicht“. Wir haben es einfach gemacht und sagen: Schauen Sie’s sich an!“

3. Kategorie Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe/Unternehmen

Die Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG) e.G., Heidelberg erhielt den Solarpreis für ihr Engagement, die Bürgerenergiewende trotz immer neuer Hürden voranzutreiben. Das bisher anspruchsvollste Projekt war die Umsetzung eines innovativen Vermarktungsmodells von sieben Solaranlagen auf  Dächern einer Mehrfamilienhaus-Siedlung, bei dem die 116 Mieterinnen und Mieter den Solarstrom direkt von der Genossenschaft beziehen können. „Das ist eine feine Sache, da könnte man noch mehr Projekte machen“, kommentierte der Vorstand der eG bei der Preisverleihung diesen neuen Ansatz.

4. Kategorie Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften 

Die Sonneninitiative e.V., Verein zur Förderung privater Sonnenkraftwerke, Marburg hat seit 2003 einhundertvierzig „Bürgersonnenkraftwerke“ realisiert und nicht nur geschafft, einer Vielzahl von Privatleuten ein eigenes Sonnenkraftwerk zu ermöglichen, sondern gleichzeitig auch den Wunsch nach einer Energiewende zu bestärken. „Die Dächer zu finden, sei nicht schwierig. Diese zu prüfen und zu einem echten Projekt zu machen, sei die Herausforderung“, so berichtete Hans-Christian Quast aus der Praxis.

Cornelia Daniel-Gruber und Kilian Rüfer nehmen den Preis stellvertretend für alle energieblogger in Empfang

5. Kategorie Medien

Die Energieblogger erhielten den Solarpreis, da sie in einer von PR-Verzerrungen begleiteten Debatte entscheidend zur Meinungsvielfalt in der öffentlichen Berichterstattung über die Energiewende beitragen, wie der Energieblogger Kilian Rüfer in einem interessanten Hintergrundbericht beschreibt. Um Transparenz zu garantieren und Diskussionen zu ermöglichen, werden Artikel stets mit Hinweisen zu den entsprechenden Quellen veröffentlicht. Das fiel auch dem moderierenden Laudator und Journalist Roland Feisel (WDR) sofort positiv auf: „Was mir super bei den energiebloggern gefallen hat, sind die Quellen. Man weiß immer, wo was her kommt.“

Als eine der Ideengeberinnen der Energieblogger nahm Cornelia Daniel-Gruber aus Wien, zusammen mit Pressesprecher Kilian Rüfer den Solarpreis stellvertretend entgegen. „Was uns extrem wichtig ist, ist, dass die Bürger wieder mehr zum Zuge kommen. Die energieblogger sind wie die Energiewende klein und dezentral organisiert. Wir wollen entgegen der großen Übermacht der Massenmedien, in denen viel Falschinformationen verbreitet wurden, den Bürgern eine laute Stimme verleihen und diese wieder mehr in den Vordergrund bringen“. Das Netzwerk der Energieblogger besteht inzwischen aus 54 Blogs. Die wachsende Popularität der Internetseite, die dieses Jahr monatlich bereits bis zu 180.000 Interessierte erreichte, ist unübersehbar.

Freude bei den anwesenden energiebloggern

Das Team der Energieblogger zeigt mit seiner Arbeit, wie man sich die globale virtuelle Vernetzung zu Nutze macht, um viele Menschen durch ein verlässliches Informationsangebot einem gemeinsamen Ziel näherzubringen.

6. Sonderpreis für persönliches Engagement
Der Journalist Jürgen Döschner (WDR), Köln nimmt die nationale und internationale Energiewirtschaft und -politik in den Fokus und trägt dazu bei, Hintergründe und komplexe Zusammenhänge zu beleuchten. In einer zunehmend von PR-Verzerrungen und INSM-Kampagnen geprägten Medienlandschaft beweist Döschner den Mut, auch gegen einen von Leitmedien gesetzten mainstream zu schreiben und langwierige, unbequeme Recherchen in Kauf zu nehmen. Ob zu einer weiterhin außer Kontrolle befindlichen Lage in Fukushima, ob zu einer mehr in Worten als in Taten umgesetzten Energiewendepolitik, ob im Klartext zur EEG-Reform oder auch seiner aktuellen Aufdeckungsberichten rund ums Thema Fracking.

Herr Döschner steht für investigativen Recherche-Journalismus. Seine Grundposition ist: „Meinung ersetzt kein Wissen, aber Wissen erzeugt Meinung“. Er habe nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten. Das Wissen, was er sich in den letzten fünfzehn Jahren auf diesem Gebiet angeeignet habe, habe seine Position geprägt. Er halte es hier mehr mit Franz Alt, dass eine Haltung bei Überlegensfragen der Menschheit – er mache sich nicht gemein mit Parteien oder Unternehmen – nicht nur gerechtfertigt sei, sondern notwendig.

Näheres zu den einzelnen Preisträgern findet man in den kurzen Videoporträts.

Kommentare

  1. So war es – schöner Bericht. Ein Stück weit sehe ich in der Auszeichnung auch einen Aufklärungsauftrag. Man will uns ermutigen, den eingeschlagenen Weg beharrlich weiter zu gehen. Es gab schon öfter Situationen in denen Erwartungen und Hoffnungen in uns Energieblogger gesetzt wurden. Dabei müssen wir aber auch die natürlichen Grenzen sehen – jeder hat nur 24 h pro Tag Zeit und mehrere Bedürfnisse. Also ist es gut, wenn immer mehr Menschen Gedanken teilen und hinterfragen. Noch besser ist es, wenn immer mehr die journalistische Einsortierung von Sachverhalten selbst machen.

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