Solartankstelle Frankfurt – Die Zeit der Symbole und Demoprojekte ist langsam vorbei

Kommentar zur Einweihung der ersten Frankfurter Solartankstelle an der Hauptwache im Zentrum Frankfurts.

Mit großem Medienrummel und Grußworten der Vertreter der Stadt Frankfurt, der Mainova, sowie verschiedener Initiativen wurde heute in Frankfurt am Main die erste Frankfurter Solartankstelle in Betrieb genommen.

Eine tolle Initiative sollte man meinen, denn die Elektromobilität weist sicherlich einen gangbaren Weg in eine Zukunft mit weniger Abgasen und mit einer geringeren Nutzung fossiler Energieträger zur Bereitstellung von Mobilität.

Doch bei näherer Betrachtung drängt sich sofort die Frage auf, ob dieses Projekt wirklich geeignet ist etwas zu bewegen auf diesem Gebiet. Die Idee der Elektromobilität ist ja nicht neu und auch der Ansatz, dass der Strom dafür sinnvoller Weise nicht aus Kohlekraftwerken oder gar Atomkraftwerken sondern im Idealfall aus erneuerbaren Energien kommen sollte wurde bereits in den 90er Jahren diskutiert und seit dem in zahlreichen Demonstrationsprojekten wie z.B. dem in der Autostadt Rüsselsheim veranschaulicht. In der Regel handelt es sich dabei schlicht um netzgekoppelte Solarstromanlagen, die kombiniert mit einer Steckdose an der man ein Elektrofahrzeug auflädt zur Solartankstelle umgewidmet werden.

Die dazu passenden Fahrzeuge stehen dann auch stets bereit. Es handelt sich um Leichtbaufahrzeuge mit elektrischem Hilfsantrieb, Elektroroller oder umgebaute Benziner, die von Bastlern zu Elektroautos umgebaut wurden. Einen deutschen Autobauer, der ein serientaugliches Alltagsfahrzeug vorstellt sucht man in der Regel vergebens. Die These, dass es sinnvoll sei in Zukunft Fahrzeuge zu haben, die nicht mehr 2 Tonnen Blech bewegen um damit 80kg Lebendgewicht zu transportieren ist dabei richtig, jedoch absolut keine neue Botschaft. Auch das wurde bereits vor 15 Jahren gesagt.

Um in der Frage einer nachhaltigen Mobilität endlich einen Schritt weiter zu kommen, ist es daher notwendig endlich damit aufzuhören, die immer wieder gleichen Demonstrationsprojekte zu präsentieren sondern dass Problem bei der Wurzel zu packen und die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass endlich Automobilhersteller auf dem Markt erscheinen, die diesem doch offenbar existierenden Kundenwunsch nach umweltfreundlicher Mobilität auch nachkommen.

Angeblich gibt es auf dem Automobilmarkt eine Überkapazität von 30% mit den bekannten Folgen für die hiesigen Autobauer. Eine Antwort auf die Mobilitätsbedürfnisse der Zukunft bei der ökologische Ideen nicht stets als Behinderung empfunden werden sucht man leider immer noch vergebens. Vielleicht hat das eine ja mit dem anderen etwas zu tun…

Warum hat eigentlich nicht Opel das erste Frankfurter Solartankstellen Netz unterstützt und eingeweiht, – mit einer Photovoltaikleistung von, sagen wir 30 MWp ?

Das wäre eine Größenordnung, die wirklich einer neuen Dimension entsprochen hätte. Hätte man dann noch den neuen Volt endlich als serienreifes Auto und nicht nur als Projektstudie präsentiert wären wir wirklich einmal einen Schritt weiter gekommen.

Eine lächerliche 3kWp Photovoltaikanlage hat heute bereits jeder Reihenhausbesitzer mit ökologischem Gewissen auf dem Dach. Dazu braucht es keine große Bühne mehr und kein politisches Tamtam…

Kommentare

  1. Na, 30 MW in Frankfurt ? Das zeugt aber nicht von viel Photovoltaik Kompetenz. Wir haben die “lächerliche” 3 kWp Anlage gebaut weil auf dem Dach nicht mehr Platz war. Der Strom von den Velotaxis tatsächlich sinnvoll genutzt wird und wir die “große Bühne” erwartet haben. Theoretisch geht immer viel aber in die Praxis umsetzen, dass sind zwei paar Stiefe.

    5 MW haben wir übrigens auch schon auf das Dach gebracht. Immer noch die weltweit größte PV Anlage auf einem Dach. Wir sind also “Macher” und keine die Tamtam nötig haben. Aber wir sind immer für PV-Überraschungen gut.
    http://buerstadt.ralos.de/

  2. @Herrn Renz (Ralos)
    Die europäische Photovoltaikvereinigung EPIA sagt, der Anteil der Photovoltaik an der Stromerzeugung in Europa könne im Jahr 2020 bis zu 13% betragen. Frankfurt hat 659.000 Einwohner. unterstellt man einen Verbrauch von 1000kWh pro Bürger und Jahr und läßt den Gewerbe-und Industriestromverbrauch, der in Frankfurt erheblich sein dürfte außen vor, kommt man auf eine Strommenge von 659GWh. 13% davon wären 85,67 GWh. In Frankfurt erntet eine Photovoltaikanlage im Schnitt 900kWh/kWp. Daraus folgt eine notwendige Photovoltaikleistung von ca. 95 MWp. Berücksichtigt man den gewerblich-indusriellen Stromverbrauch müsste dieser Wert sicherlich mehr als verdoppelt werden…
    Soll die Photovoltaik nicht eine belächelte Nischentechnik bleiben muss man in diesen Größenordnungen denken.

  3. Natürlich haben beide Vorgängerkommentare irgendwo recht. Das Opel zur Zeit andere Probleme hat, als eine 30 MWp Solartankstelle zu fördern bzw. zu sponsoren ist, glaube ich allen klar. Andererseits ist auch klar, das wenn sich ein solcher Konzern frühzeitig wirklich ehrlich um das Segment der Elektromobilität gekümmert hätte, würde es den Herren in der Chefetage wahrscheinlich deutlich leichter fallen Investoren zu finden. Herr Aspek hat dies – natürlich äußerst öffentlichswirksam – ja bereits angeboten ….;-)….. 30 MWp können auch wir nicht sofort aus der Hosentasche realisieren, aber unsere Solartankstelle im Sonnenwerk welche am 9.5.2009 öffentlich eingeweit wird, hat immerhin auf dem Areal des Sonnenwerks mit 5 Anlage eine PV-Leistung von mehr als 150 kWp im Rücken. Da können wir dann schon ein paar “Amperas” von Opel mit laden…….Und die Dächer des Opelwerks sehe ich vom Büro-Fenster aus. Die sind noch alle leer – wie schade …..sonnige Grüße, Alexander Espenschied

  4. Opel könnte die Solartankstelle schon seit 1996 haben.
    Damals gab es den Prototyp “Combo Plus” ein Elektro Auto, das ich leider niemals auf der Straße gesehen habe.
    Da zu ist mir ein Papier bekannt, mit dem Vorgeschlagen wurde entlang der Bahnlinie – genau nach Süden – werbewirksam eine PV Anlage zu errichten und den Combo damit zu betanken.
    Kein Geld vom GM aus Detroit war damals das Hinternis.

  5. Bei der Solartankstelle geht es doch in erster Linie um den symbolischen Charakter und außerdem ist die Zeil auch nicht der schlechteste Standort um zu versuchen, die zig-tausend Menschen welche am Tag dort vorbeikommen, für die Photovoltaik zu sensibilisieren !!
    Aber wir können doch gerne gemeinsam versuchen die 95 MWp auf die Dächer zu bringen !

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