Zuviel Strom im Netz ? Gibt es nicht … es sei denn man will es so!

Immer wieder machen Meldungen die Runde, es gäbe eine Überlastung des deutschen Stromnetzes, da temporär zu viel Wind oder Solarenergie eingespeist werde, die zeitgleich keinen Abnehmer finde. Diese Aussage hält dann auch als Begründung dafür her, dass neue Stromtrassen gebaut werden sollen um überschüssige Windenergie aus dem Norden in den windärmeren Süden Deutschlands zu transportieren. Stutzig macht einen dabei, dass auch die konventionelle Stromwirtschaft, die die Windenergie ja bekanntlich nicht besonders mag, diese Trassen für unverzichtbar hält und dass sie ausgerechnet von den Braunkohlerevieren, also den Standorten großer Braunkohlekraftwerke zu den Standorten der jetzt stillzulegenden oder bereits stillgelegten Kernkraftwerken führen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Klartext: Der Betreiber eines Braunkohlekraftwerkes hat ein massives Interesse an diesen Leitungen, da er bei starker Windstromeinspeisung im Moment vor der Wahl steht sein Kraftwerk herunter zu fahren, was mehrere Stunden dauert oder den Strom billig irgendwo hinzuschieben, wo sich noch ein Verbraucher findet. Da kommen neue Leitungen, die der Stromverbraucher bezahlt und deren Kosten man auf die Windenergie schieben kann, gerade recht.

Doch wieso gibt es eigentlich überschüssigen Strom ? Wir beklagen uns doch alle über zu hohe Strompreise, zu hohe Gaspreise, zu hohe Spritpreise ?

Strom kann jederzeit und sofort in andere Energieformen umgewandelt werden. Die Erzeugung von Wärme mit überschüssigem Strom ist die einfachste und billigste Methode überschüssigen Strom loszuwerden. Auch Kälte ließe sich mit überschüssigem Wind- oder Solarstrom erzeugen und bei Bedarf für einige Zeit speichern.

Und warum passiert das nicht?
Ganz einfach: Weil beim Endkunden kein realistischer Strompreis ankommt und weil durch unsinnige technische Richtlinien Energiepolitik betrieben wird. Hätte der Endverbraucher bei Starkwind die Möglichkeit seinen Strom für ein paar Stunden statt für 25Cent/kWh für 10 Cent/kWh einzukaufen, wären die Stromüberschüsse schneller verschwunden als man gucken könnte und der Gesetzgeber könnte sich die Förderung von Energiespeichern getrost sparen. Das würde der Markt schon von selbst erledigen. Stattdessen sind wir inzwischen gezwungen jedem Betreiber einer kleinen 5kWp Photovoltaikanlage einen Rundsteuerempfänger!! (mittelalterliche Technik aus dem Museum) einzubauen, damit die Anlage im Bedarfsfall bei „zu viel Strom im Netz“ abgeregelt werden kann. Selbst die Netzbetreiber sagen, dass das Unsinn sei und in der Praxis bei so kleinen Anlagen nie angewandt würde. Das gewünschte Ziel wird aber erreicht: Solarstrom aus privaten Anlagen wird wieder sinnlos ein wenig teurer gemacht. Für das gleiche Geld könnte man in einem Privathaushalt auch einen Heizstab in den Warmwassertank stecken und die paar kWh „Überschussstrom“ verheizen.

Darum die Frage an die Politik: Wo bleibt der tagesvariable Strompreis, der nicht nur an der Strombörse gehandelt werden kann, sondern beim Endverbraucher genutzt werden kann um Energie dann billiger zu beziehen, wenn sie „angeblich“ im Überschuss vorhanden ist. Ich würde mir sofort im Garten ein Loch ausgraben und einen riesigen Warmwasserspeicher einbauen, der die Energie sogar über den Winter bringen kann. Hier kann man sehen, wie so etwas geht…

Und nochmal: ZUVIEL STROM GIBT ES NICHT!!!

Kommentare

  1. „…dass sie ausgerechnet von den Braunkohlerevieren, also den Standorten großer Braunkohlekraftwerke zu den Standorten der jetzt stillzulegenden oder bereits stillgelegten Kernkraftwerken führen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“

    Das wird von HGÜ-Gegnern seit einigen Jahren behauptet. Trifft aber so nicht zu. Schauen Sie sich bitte die Netzpläne an.

    “Ganz einfach: Weil beim Endkunden kein realistischer Strompreis ankommt und weil durch unsinnige technische Richtlinien Energiepolitik betrieben wird. Hätte der Endverbraucher bei Starkwind die Möglichkeit seinen Strom für ein paar Stunden statt für 25Cent/kWh für 10 Cent/kWh einzukaufen, …

    Darum die Frage an die Politik: Wo bleibt der tagesvariable Strompreis, der nicht nur an der Strombörse gehandelt werden kann, sondern beim Endverbraucher genutzt werden kann um Energie dann billiger zu beziehen, wenn sie „angeblich“ im Überschuss vorhanden ist”

    Das sehe ich auch so. Es wäre gut, wir würden Preissignale nutzen, um Angebot und Nachfrage von Strom zusammenzubringen. Und nicht nur “tagesvariable” Strompreise sondern variable Strompreise in Echtzeit.

    Allerdings kommen wir dann wieder auf Stromleitungen zurück. Ein Markt funktioniert gut, wenn viele Anbieter und Nachfrager vorhanden sind. Und keiner zu große Marktmacht hat.
    Das Stromnetz ist jedoch ein natürliches Monopol. Nur mit starker stattlicher Regulierung und vielen Anbietern und Nachfragern ist dieses Monopol zu überwinden.
    Raimund Kamm

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