Es muss nicht immer Süden sein…

Schon im Artikel über “die Aufständerungsorgie auf Flachdächern” hatte ich mich kritisch dazu geäußert, unnötig wertvolle Dachfläche zu verschwenden, nur um aus jedem Solarmodul den optimalen Energieertrag herauszuholen. Durch den drastischen Preisverfall bei den Solarmodulen und auch den Solarwechselrichtern in den letzten Jahren gelten die damals gemachten Aussagen mehr den je.

In diesem Monat geht eine Bürgersolaranlage auf dem Dach der neuen Hahner Schule in Pfungstadt Hahn ans Netz, bei dem die Module auf dem Flachdach in Ost-Westrichtung aufgestellt wurden. Dadurch kann entgegen einer Aufständerung in südliche Richtung eine nochmals größere Modulfläche installiert werden.

 

klassische Solar Modulanordnung auf einem Flachdach

Vergleicht man den Ertrag bei einer Aufständerung im 15° Winkel nach Süden mit dem einer flachen (8°) Ost-West Aufständerung, so ergibt sich ein Minderertrag (pro m² Modulfläche) von ca. 9%. Durch die Ost-Westaufständerung konnte man allerdings im Gegenzug trotz ausreichender Wartungsgänge 23% mehr Leistung installieren. In dem vorgestellten Projekt, das wir im Auftrag der inek Solar AG in Bischofsheim entwickelt und geplant haben betrug die Leistung bei südlich orientierter Aufständerung im 15° Winkel ca. 102 kWp bei einem Standardmodul mit 250Wp (1mx1,66m; 60 Zellen mit 6” Zellkantenlänge). Die Ost-Westvariante ermöglichte schließlich auf gleicher Dachfläche die Installation von 126,36 kWp bei einem Modul vergleichbarer Leistungsdichte (IBC monosol 195m; 72 Zeller mit 5” Zellkantenlänge).

Ost West Anordnung der Solarmodule auf einem Flachdach

Bei einem Ertrag von ca. 850 kWh/kWp ergibt sich daraus eine Jahresstromerzeugung von 107.406 kWh Solarstrom, gegenüber 933 kWh/kWp x 102,5 kWp = 95.632 kWh Solarstrom bei einer Aufständerung im 15° Winkel nach Süden. Es lassen sich mit der Ost-West Variante also ca. 12 % mehr Strom auf dem Dach erzeugen. Die zusätzliche Strommenge entspricht etwa dem Jahresstromverbrauch von 3 Durchschnittshaushalten. Da bei dem beschriebenen Projekt eine Netzverstärkung notwendig war und damit Kosten entstanden, die unabhängig von der anschließend installierten Leistung fix waren, fiel die Entscheidung zugunsten der maximal möglichen Stromerzeugung.

Photovoltaikanlage Neue Hahner Schule Pfungstadt

Hat sich die Physik geändert ?
Natürlich hat sich an der Physik im Laufe der Jahre nichts geändert und nach wie vor gibt es für jeden Standort eine von der Solargeometrie vorgegebene optimale Neigung der Solarmodule. An Standorten im Rhein Main Gebiet – also am 50° nördlicher Breite – liegt dieses Optimum um die 30° Neigung nach Süden. Was sich allerdings entscheidend verändert hat, ist der Preis, den man für eine Solarstromanlage heute bezahlen muss.  Im Jahr 2000 zum Beispiel kostete eine schlüsselfertig installierte Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 5 kWp noch ca. 12.000.-DM/kWp also ungefähr 6000.-€/kWp. Damals wollte man wegen dem hohen Kapitaleinsatz natürlich das maximal Mögliche aus jedem Modul herausholen. Kosten für die in Anspruch genommene Fläche spielten noch eine untergeordnete Rolle. Heute hingegen zahlt man für eine vergleichbare Anlage lediglich noch knapp über 2000.-€/kWp. Betrachtet man Anlagen mit einem hohen, leistungsunabhängigen Kostenanteil (z.B. Dachmiete; Netzverstärkung; Gerüst etc…) spielen die Module prozentual eine immer geringere Rolle und es zählt letztlich die maximal zu erzielende Strommenge.

 

Tagesgang einer nach Süden ausgerichteten Photovoltaikanlage

Ungeachtet dessen wird man in der Zukunft für jede Photovoltaikanlage froh sein, die Ihre Energie möglichst breit über den Tag verteilt erzeugt, sprich nicht die typische Mittagsspitze aufweist. Auch deswegen könnte es in Zukunft immer mehr dieser Ost-West Aufständerungen geben. Die Anlagen erreichen morgens früher eine höhere Leistung, haben eine weniger ausgeprägte Mittagsspitze und liefern höhere Leistungen bis in die Abendstunden.

Tagesgang einer Ost-West ausgerichteten Photovoltaikanlage

Hier geht es zum Ertragsdatenpotal der Anlage

Hier finden Sie eine Liste mit Anbietern von Ost-West Aufständerungssystemen:

RegTec GmbH Photovoltaik Montagesysteme (war Lieferant für das oben vorgestellte Projekt)
Jens Tauchmann
Tiefengrubener Strasse 105
99438 Bad Berka
Tel.:036458 47557
tauchmann@regtec.de
www.regtec.de

AmbiVolt GmbH
Ahornstraße 8
85716 Unterschleißheim bei München
Deutschland
Fon +49 89 1434 9073
Fax +49 89 1400 1824
E-Mail info(at)ambivolt.com

K2 Systems GmbH
Riedwiesenstraße 13-17
D-71229 Leonberg
Tel.: +49 (0)7152 3560-0
Fax: +49 (0)7152 3560-179

MHH Solartechnik GmbH
Eisenbahnstraße 150
D-72072 Tübingen
Fon +49 7071 98987-0
Fax +49 7071 98987-10

Jurchen Technology GmbH
Prinz-Ludwig-Straße 5
97264 Helmstadt
Tel. +49 (0) 9369 / 982 296 60
info@mhh-solartechnik.de

Alumero Systematic Solutions GmbH
Sonnenweg 1-2
A-5164 Seeham
Geschäftsführer: Manfred Rosenstatter
Tel.: +49(0)3338/60466-0
Fax: +49(0)3338/60466-29
info@alumero.at
www.alumero.at

Neuenhauser Maschinenbau GmbH
Standort Geeste-Dalum
Elwerathstr. 9
D-49744 Geeste
Tel.: +49 5937 9802-0
Fax: +49 5937 9802-12
eMail:sunpack@neuenhauser.de

Kommentare

  1. Ein wirklich ausführlicher und interessanter Artikel, vielen Dank dafür!
    Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium

  2. Sehr informativer Artikel!

    Ein Argument für Ost-West haben Sie dabei aber vergessen. Beim Verkauf von Strom ist es dem Anlagenbetreiber eigentlich egal wann der Strom produziert wird. Entscheidet sich der Anlagenbetreiber aber für die Eigenverbrauchsregelung, so kann er mit einer Ost-West-Ausrichtung danke gleichmäßigerer Produktion mehr eigenproduzierten Strom selbst verbrauchen. Durch eine höhere Eigenverbrauchsquote spart/verdient der Betreiber deutlich mehr Geld!

  3. Hallo,
    anzumerken bei Ihrem sehr informativen Artikel ist ebenfalls – dass nicht nur im Süden genug Solarstrom über Solaranlagen erzeugt werden kann! Denn ebenfalls im sonnenärmeren Norden kann bei optimaler Ausrichtung der Solar-Module genug an Strom generiert werden – so dass die Anlage letztlich auf jeden Fall profitabel ist.
    Grüße

  4. Moin,
    ja, guter Artikel, aber eine Frage: was ist mit Schnee der in den Senken zwischen den Modulen verbleibt und verschattet? Der rutscht nicht ab und schmilzt nur langsam.
    Grüße
    JF

  5. In der Tat, Schnee wird sich zwischen den Reihen sammeln. Das ist im Rhein -Main Gebiet, wo die oben gezeigte Anlage steht nicht wirklich ein Problem.

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