Ist mein Dach für Photovoltaik geeignet?

Dies ist in der Regel die erste Frage, die man sich stellt, wenn man mit dem Gedanken spielt ein Photovoltaikprojekt zu realisieren.

Wenn die erste Frage mit Ja beantwortet werden kann, kommt dann in der Regel die Frage nach der besten Montagevariante und schließlich muss man sich durch den Dschungel der verschiedenen Technologien kämpfen und entscheiden ob es zum Beispiel lieber monokristalline-, polykristalline Module werden sollen oder ob man eine der vielen Dünnschichttechnologien wählt.

Um die Entscheidungsprozesse auch für einen technischen Laien so einfach wie möglich zu gestalten, möchten wir in unserem Blog an dieser Stelle einmal ein paar Beiträge schreiben und Tipps geben, wie man sich dem Problem am besten nähert.

Zunächst – und das sollte der allererste Schritt sein – muss man für sich klären, was man mit der Photovoltaikanlage gerne erreichen möchte.

Es gibt ja durchaus unterschiedliche Zielsetzungen, die in der Regel dann auch völlig verschiedene Lösungen erfordern.

Mögliche Zielsetzungen können z.B. sein:

  1. Ich möchte etwas für die Umwelt tun.
  2. Ich möchte die maximal mögliche Menge an Strom auf dem eigenen Dach erzeugen.
  3. Ich möchte mit meinem Dach möglichst viel Geld verdienen.
  4. Ich betrachte die Solaranlage als Geldanlage und möchte eine möglichst große Eigenkapitalrendite. (die optimalen Lösungen für Ziel 3 und 4 können hierbei durchaus unterschiedlich ausfallen)
  5. Ich muss das Dach des Gebäudes sanieren und möchte in diesem Zuge ein stromerzeugendes Dach aufbauen.

Wie man sich sicherlich vorstellen kann, sind nicht alle der genannten Ziele gleichzeitig mit ein und der selben Anlage zu erreichen und auch die Frage ob ein Dach prinzipiell geeignet ist zum Bau einer Solarstromanlage kann nur im Kontext der Zielsetzung eindeutig beantwortet werden.

Beispiel 1:

Wenn man ein kleines Dach mit 12m² Dachfläche und einer Schiefereindeckung hat, wird man damit sicherlich keine Geldanlage mit einer besonders guten Eigenkapitalrendite erzielen können. Für die Umwelt kann man allerdings schon etwas tun in dem man einen Teil des Stromes den man verbraucht eben selbst umweltfreundlich erzeugt.

Beispiel 2:

Monokristalline Solarmodule haben einen wesentlich höheren Wirkungsgrad als Dünnschichtmodule. Man kann daher auf einer gegebenen Fläche mit einer Solarstromanlage mit monokristallinen Solarmodulen wesentlich mehr Strom erzeugen als mit Dünnschichtmodulen. Trotzdem kann man mit dem Aufbau einer Dünnschichtsolaranlage in der Regel eine bessere Eigenkapitalrendite erzielen, da die Module in der Regel auch wesentlich günstiger im Einkauf sind.

Eine Anmerkung zum Thema Rendite sei an dieser Stelle schon erlaubt: Wie in der Finanzbranche üblich ist auch bei der Geldanlage in eine Photovoltaikanlage eine höhere Rendite immer (die Betonung liegt hierbei auf immer) mit einem höheren Risiko verbunden.

Die Basisinformationen, die man als erstes benötigt

  • Dachgröße
  • Ausrichtung
  • Dachneigung

Die erste Information, die man benötigt ist die über die Größe des Daches.

Interessant ist in der Regel natürlich nicht das gesamte Dach, sondern nur die südlich orientierten Dachflächen. Es sind aber keinesfalls nur exakt südlich orientierte Flächen interessant. Auch Ost- bzw. Westdächer können unter Umständen interessant sein. Das hängt dann wiederum entscheidend von der Neigung der jeweiligen Dachflächen ab und natürlich von der persönlichen Zielsetzung.

Auf einem mit 35° geneigten Ostdach kann man sicherlich keine besonders gute Eigenkapitalrendite mehr erwarten. Für die Umwelt kann man natürlich trotzdem etwas tun.

Die exakte Lage des Gebäudes kann man in der Regel mit Hilfe eines Lageplanes ermitteln auf dem ein Nordpfeil eingezeichnet ist. Ein normaler Kompass tut es hier natürlich auch. Wer gerne mit dem Computer arbeitet benutzt Google-Earth. Um die jeweiligen Himmelsrichtungen exakt zu beschreiben gilt folgende Regel (nach der nautischen Definition):

0° entspricht der Richtung Norden

90° entspricht der Richtung Osten

270° entspricht der Richtung Westen

180° entspricht der Richtung Süden

Man nennt diesen Winkel auch Azimutwinkel.

Und dieser Winkel ist auch die erste Information, die man zur Beurteilung der „Solartauglichkeit“ eines Daches benötigt. Man schaut auf das in Frage kommende Dach und ermittelt den dazugehörigen Azimutwinkel.

Neigungswinkel-Azimutwinkel_thumb

Wie man sich unschwer vorstellen kann, ist neben dem Azimutwinkel auch die Neigung eines Daches von entscheidender Bedeutung dafür, wie viel Sonnenstrahlen das Dach erreichen. Auch hier interessiert uns wieder ein Winkel und zwar derjenige zwischen der Horizontalen und dem Dach.

Beispiel:

Ein Flachdach hat eine Dachneigung von 0°

Eine Solarfassade hat eine Neigung von 90°

Doch wie bekommt man nun die Neigung des eigenen Daches heraus ?

Neigungsmesser_thumb

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die einfachste ist die Begutachtung der Baupläne, falls diese noch existieren. Eine Alternative ist ein Neigungsmessgerät , dass man im Baumarkt kaufen kann und das man mal aus einem Dachfenster auf die Ziegel legen kann. Wer die Trigonometrie noch aus der Schule beherrscht, kann natürlich auch aus der Höhe des Daches und der halben Breite die Neigung berechnen.

Nun geht es an die Ermittlung der Größe der Dachfläche:

Was bei einem Flachdach sehr einfach ist kann sich bei einem schwer zugänglichen Schrägdach schon etwas schwieriger gestalten. Doch auch hier gibt es einige Tricks, die man sich zunutze machen kann.

Die einfachste Variante ist natürlich der Griff nach den Bauplänen. Aus diesen, wenn sie denn exakt sind kann man natürlich die in Frage kommende Dachfläche heraus messen. Zu beachten ist, dass die Dachfläche bei einer Südansicht des Gebäudes im Plan natürlich verkürzt dargestellt ist und man wieder mit der Trigonometrie die tatsächlichen Längen ermitteln muss. Sehr gefährlich ist es jedoch, wenn die Pläne schon älter sind und vielleicht nachträglich Veränderungen (z.B. der Einbau zusätzlicher Dachfenster etc.) an dem Gebäude vorgenommen wurden.

Frankfurter Pfanne_thumbTonziegel_thumb
Die beste Methode aus der täglichen Praxis ist aus unserer Sicht das Zählen der Ziegel.  Die Maße der Dachziegel sind weitestgehend standardisiert. Es gibt im wesentlichen zwei Maße: Betonziegel mit den Deckmaßen 0,3×0,33m (z.B. Braas Frankfurter Pfanne) und Tonziegel mit den Deckmaßen 0,2×0,33m.  Einige moderne Tonziegel sind auch noch etwas länger als 0,33m. Man schaut also zunächst mal nach welchen Ziegeltyp man auf dem Dach hat (das steht in der Regel auf der Rückseite des Ziegels) oder misst einen Ziegel (z.B. aus dem Dachfenster heraus) und ermittelt die Maße.

Um selbst einen Eindruck der zur Verfügung stehenden Fläche zu bekommen,  zählt man die Ziegelreihen und die Ziegelspalten um die exakten Dachmaße zu ermitteln. Ein kleiner Hinweis noch: Beim Zählen von Frankfurter Pfannen muss man darauf achten, dass jeder Ziegel zwei Wellen hat. Beim Tonziegel ist es nur eine Welle pro Ziegel… Wenn man ein gutes Digitalfoto des Daches macht, kann man das Zählen der Ziegel auch bequem an den heimischen Computer verlagern und so in aller Ruhe für eine erste eigene Einschätzung ein maßstäbliches Abbild des infrage kommenden Daches gewinnen.

Dach mit Ziegelanzahl_thumb

Wer eine Kurzberatung beauftragt hat, gibt uns lediglich das Ziegelmaß im eingedeckten Zustand an und sendet uns ein Frontalfoto des Daches zu (Tipp: Wenn das Dach von unten nicht einsehbar, hilft es oft, vom Dachfenster des Nachbarn aus zu fotografieren). Das Auswerten und Zeichnen der Pläne erledigen natürlich wir für Sie.

Skizze-Ziegel_thumb

Im nächsten Beitrag zeigen wir für do-it-yourself-Interessenten, wie man aus der Handskizze eine maßstäbliche Zeichnung anfertigen kann um festzustellen wieviele Module auf dem Dach platziert werden könnten und welche Solargeneratorleistung daraus resultiert…

Eine schöne Zusammenstellung über die Vorgehensweise, wenn man sich als absoluter Neuling dem Thema Photovoltaik nähern möchte, findet man auch hier im Photovoltaikforum.

Wer die Zeit und Lust nicht hat sich selbst einzuarbeiten sei auf unsere Kurzberatung verwiesen.

Kommentare

  1. Hallo,

    die Ziegel liegen ja in der vertikalen Richtung zum teil auf einanderer.
    Wie geht das dann, es sind dann keine 0,33 cm. pro Ziegelreihe?

    MfG
    Zernickel

  2. Es kommt nicht auf das absolute Maß des Ziegels sondern auf das sogenannte Deckmaß an. Hier ist die Tatsache, dass sich die Ziegel überlappen bereits eingerechnet. Das Deckmaß liegt z.B. bei einer Frankfurter Pfanne von Braas bei 33 – 34 cm.

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