Der pvTector ist jetzt wieder verfügbar

Der pvTector ist damals entstanden, als viele Firmen von den „brennenden Anschlussdosen der Fa. Scheuten“ betroffen waren und man vor der Aufgabe stand, herauszufinden in welchem Modul eines Modulstranges die Unterbrechung war. Ohne pvTector musste man dafür den Strang immer wieder halbieren, um so den Fehler systematisch einzukreisen. Continue reading „Der pvTector ist jetzt wieder verfügbar“

Rezo, Fridays for future und die Initiative neue soziale Marktwirtschaft

Klimastreik 20.09.2019 FFF München; twitter

Dieser Artikel ist meiner Tochter gewidmet. Ihrer Generation und aller zukünftigen #HowDareYou!

Ich bitte jeden Leser und jede Leserin, jede Mama, jeden Papa, jede Oma, Opa oder Jugendlichen, mitzuhelfen, diese Hintergrund-Infos max. weit zu verbreiten. Und insbesondere die FFF-Gruppen darauf aufmerksam zu machen, damit sie nicht Leidtragende der schon so oft angewandten Lobbymethoden der fossil-atomaren Wirtschaft werden. DANKE.

The change is coming, whether you like it or not!

Es ist schon einige Monate her, als Rezo mit seinem Video „die Zerstörung der CDU“ für erheblichen Wirbel sorgte. Das Video hat mittlerweile mehr als 15,8 Mio. Aufrufe und hatte selbst das Ergebnis der Europawahl beeinflusst. Es hat offensichtlich einen Nerv getroffen und das Bauchgefühl einer ganzen Generation zum Ausdruck gebracht. Rezos Video behandelt viele Themen, hatte aber als Schwerpunkt das, was seit Monaten und auch in den Schulferien haufenweise junge Menschen auf die Straße getrieben hat: die Angst vor einer zerstörten Zukunft aufgrund der Folgen des Klimawandels und der Wut darüber, dass nur geredet, aber nicht gehandelt wird. Ohne die Fridays-for-future-Bewegung wäre das Rezo-Video niemals auf so viel Interesse gestoßen und wäre niemals so viral gegangen. Was sind die Folgen des Rezo-Videos?

Zum einen werden sich Lobbyagenturen in Zukunft verstärkt der YouTube-Szene widmen und ihre Einflussnahme, die ohnehin bereits im Internet zu beobachten ist, auch auf dieses Medium ausweiten. Zum Zweiten war abzusehen, dass deutsche Großkonzerne und deren Wirtschaftsverbände der Wucht der Fridays-for-future-Bewegung oder der erstaunlichen Verbreitung von Rezos Video nicht tatenlos zusehen. Seit Ende Juni hatte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft eine neue Themenkampagne begonnen: „Klimaschutz“. Am 27.06.2019 verkündete sie auf ihrer Facebook-Seite:

„Seit der Europawahl ist klar: Der Klimawandel ist in der Mitte der politischen Debatte angekommen. Aber zwischen Klimazielen und Emissionshandel befinden sich vielzählige weitere komplexe Themen. Wir wollen mit unserer Faktensammlung Klarheit schaffen.“

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) mit Sitz in Berlin (Georgenstr. 22, 10117 Berlin) ist eine im Jahr 2000 gegründete Lobbyorganisation deutscher Großunternehmen, die sich den Anschein von Unabhängigkeit und Überparteilichkeit gibt. Alleingesellschafterin der INSM GmbH ist die IW Medien GmbH, die wiederum eine 100-prozentige Tochter des IW Köln (Institut der deutschen Wirtschaft) ist. Das IW Köln (früher Deutsches Industrie Institut DI) hat bereits seit der Gründung im Jahr 1951 als Trägervereine die beiden Wirtschaftsverbände BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) und BDA (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände). Man könnte auch sagen, dass die INSM so etwas wie die PR-Abteilung von BDI und BDA ist.

Diese führte ab dem Jahr 2000, seit ihrer Gründung, einen regelrechten Feldzug gegen den Sozialstaat. Die Agenda 2010, die Einführung der privaten Altersvorsorge, die Zunahme an Mini-Jobs, Werkverträgen und vieles mehr sind Ergebnisse der direkten und indirekten INSM-Lobbyarbeit. Sie nennt sich Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, doch das „Neue“ lässt sich am besten übersetzen mit KEINE SOZIALE Marktwirtschaft. Seitdem 2012 Wolfgang Clement Kuratoriumsvorsitzender der INSM geworden ist, ist auch die Umwelt- und Energiepolitik dazugekommen.

2012 gab es den für diese Lobbyorganisation so typischen Etikettenschwindel in Form der INSM-Kampagne „EEG stoppen – Energiewende retten“. EEG = Erneuerbare Energien Gesetz. Jahre zuvor wurde durch Einflussnahme vom BDI mittels der sehr stark gestiegenen Industrieausnahmen, sowie Einflussnahme des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) mittels des 2009 geänderten Wälzungsmechanismus (Implementierung des EEG-Paradoxons durch Merit-Order und sinkende Börsenstrompreise) die EEG-Umlage politisch künstlich aufgebläht. So wurde z.B die 75%ige Steigerung der EEG-Umlage-2010 in Medien und der öffentlichen Debatte alleinig der 22%igen Steigerung der Förderkosten von 2009 auf 2010 durch neugebaute Anlagen angelastet, was absurd war. Die starke Abweichung zwischen der Entwicklung der Förderkosten und der Entwicklung der EEG-Umlage vor und nach 2009 kann jeder selbst mit einem Taschenrechner anhand der Originalzahlen überprüfen. Als die EEG-Umlage weiterhin durch die politisch gewollte Aufblähung unvergleichlich stärker anstieg, als sie allein durch die Förderkosten neuer EEG-Anlagen hätte ansteigen können, wurde der Anstieg der EEG-Umlage tatsachenverdrehend  nach wie vor allein den Förderkosten der Anlagenbetreiber angelastet und das EEG und die dadurch bis dahin sehr schnell gewachsene Bürgerenergiewende in einer beispiellosen Hetzkampagne („Strompreisexplosion durch Öko-Subventionen“) zum Abschuss freigegeben.

Plakataktion der INSM 2012 in Berlin; Gegenaktion durch Berliner Spontis als Reaktion

Das Ergebnis war anhand der dadurch forcierten EEG-Novellen ein kompletter Zusammenbruch des Photovoltaik-Zubaus mit über 82.000 verlorenen Arbeitsplätzen vor allem im Handwerk und Handel, sowie der seit 2018 erfolgte Zusammenbruch des Onshore-Wind-Zubaus, zusätzlich verstärkt durch Gegenbewegungen wie „Gegenwind“ oder „Vernunftkraft“. Der erwartete Arbeitsplatzverlust bei Wind-Onshore liegt bei derzeit 40.000. Die Arbeitsplatzargumentation (Braunkohle 20.851 + Steinkohle 8.400) des Wirtschaftsministers Altmaier gegen den von Fridays for future geforderten Kohleausstieg bis 2030 entlarvt sich in Anbetracht dessen als das, um was es wirklich geht: Schutz vor stranded Investments für diejenigen, die in fossile Energien investiert haben.

Mit der INSM-Themenkampagne von 2012 wurde nicht die Energiewende gerettet, sondern eher die großen atomar-fossilen Stromkonzerne vor der bis dahin erfolgten Bürgerenergiewende. Denn das von der INSM propagierte „Wettbewerbsmodell Erneuerbare Energien“, umgesetzt durch die EEG-Novelle 2014 und 2017, ist maßgeschneidert für die großen Energieunternehmen. Zum einen hat es lästige Konkurrenz aus dem Weg geräumt, den Prozess des Wandels gebremst und zugleich den Weg dafür geebnet, selbst mehr Marktanteile bei erneuerbaren Energien zu gewinnen. Dieser Anteil war bislang verschwindend gering.

Das frühere EEG glich nämlich einem gewaltigen Umverteilungsprogramm. Die Einnahmen aus der Stromproduktion landeten nicht wie im fossil-atomaren System ausschließlich auf den Konten von börsennotierten Aktiengesellschaften, sondern kamen zu großen Teilen auch unzähligen Landwirten, Familien, Stadtwerken, Gemeinden, Landkreisen, Schulinitiativen, Energiegenossenschaften, Handwerksbetrieben und mittelständischen Produktionsbetrieben zugute.

Wer mit dem Zug von Nord nach Süd fährt, kann diesen Wandel deutlich sehen. Die Mitmach-Energiewende hatte bis zu Beginn der Gegenkampagne eine sehr hohe Zustimmung in der Bevölkerung und wuchs sehr schnell. Als die Zahl der Energiegenossenschaften rasant anstieg, diese auch noch mit innovativen PV-Mieterstrommodellen den Bevölkerungskreis der Bürgerenergiewende erweitern konnten und endlich auch Mieter im sozialen Wohnungsbau vom EEG profitierten, wurde von der INSM und dem Ausführungsorgan Gabriel/Altmaier eilig die Notbremse gezogen. Mit massiven Vergütungskürzungen, Ausschreibungen, verpflichtender Direktvermarktung ab 100 Kilowatt und einer Eigenverbrauchsabgabe (für Direktlieferungen von Solarstrom muss EEG-Umlage in voller Höhe gezahlt werden) wurde insbesondere den Genossenschaften die wirtschaftliche Grundlage für ihre Mieterstromprojekte entzogen.

Das überbordend bürokratische Mieterstromgesetz, das 2017 eingeführt wurde, war ebenfalls wieder Etikettenschwindel. In der Realität brachte es weitaus mehr Hemmnisse und Einschränkungen für Mieterstrommodelle als Chancen. Gerade einmal gut 1,5 Prozent des möglichen Förderrahmens von 1.000 Megawatt – konkret 15 Megawatt – sind nach knapp zwei Jahren ausgeschöpft worden.

Offshore-Wind wurde bei dem Kahlschlag gegen die erneuerbaren Energien übrigens ausgelassen und steht auch nicht medial unter Beschuss. Obwohl dieser Marktanteil seit 2013 regelrecht explodierte, mehrere Jahre die höchste Einspeisevergütung bekam und Preistreiber bei der EEG-Umlage wurde. Offshore-Wind wurde im Gegensatz zu den anderen Erneuerbare-Energie-Arten nicht zum größten Teil von Landwirten, Familien, Schulinitiativen, Energiegenossenschaften oder mittelständischen Betrieben errichtet. Offshore-Wind in Deutschland ist fest in der Hand großer Energiekonzerne, Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften weltweit. Hier gibt es keine Genossenschaften.

Einen guten Einblick in die Arbeitsweise der INSM erhält man über diese drei Videos von Politmagazinen aus dem Jahr 2005. Die Themen und Köpfe waren völlig andere als heute. Die Methoden sind aber identisch geblieben.

INSM-Kampagnen werden umgesetzt, indem zunächst Begriffe der Gegenseite („sozial“, „Gerechtigkeit“, „Energiewende“) okkupiert werden und dafür gesorgt wird, eine neue Assoziation zu den Begriffen im ökonomischen Interesse von Wirtschaftsunternehmen und Vermögenden herbeizuführen. Der INSM-Content wird permanent über alle Kanäle geflutet, ohne dass der Absender sichtbar wird. Durch dauerhaftes, intransparentes, flächendeckendes Platzieren und Erzeugen von Schlagzeilen in Print, TV, Funk und Internet über einen langen Zeitraum werden die INSM-Botschaften in die Köpfe der Menschen gebracht. Ergänzt werden INSM-Themenkampagnen durch Anzeigen- und Plakatkampagnen.

Hinzu kommt Einflussnahme in Talkshows (von 6 Talkshowgästen sind z.B. 3-4 INSM-Botschafter oder „prominente Köpfe“ der jeweiligen Themenkampagne, ohne dass deren INSM-Zugehörigkeit kenntlich gemacht wird). Das Erstellen von einseitigen Unterrichtsmaterialien für Lehrer im Sinne der Interessen von Großunternehmen über das Lehrerportal Wirtschaft und Schule setzt der Meinungsbeeinflussung noch die Krone auf. Parallel findet durch betroffene Wirtschaftsverbände direkte Einflussnahme auf Politiker und Mitformulieren von Gesetzesvorschlägen statt.

Die Interessensorganisation der großen deutschen Wirtschaftsunternehmen stellt sich nach außen als „Anwalt des kleinen Mannes“ dar, die soziale Marktwirtschaft, Gerechtigkeit, Energiewende oder Klimaschutz will. Sie bewirkt mit ihren Vorschlägen und den daraus generierten Gesetzesvorlagen aber immer genau das Gegenteil dessen, was sie vorgibt, erreichen zu wollen.

Es geht bei dem indirektem Lobbying der INSM darum, Einfluss zu nehmen auf die Mehrheitsmeinung innerhalb einer öffentlichen Debatte. Diese zu lenken oder auch um 180° zu drehen. Wer am Ende die Herrschaft in einer Debatte erringt, dem winkt der höchste Preis – eine Politik nach seinem Gusto.

Die aktuelle INSM-Themenkampagne lautet „Klimaschutz“. Konkret heißt das: 2-Grad-Ziel statt 1,5-Grad-Ziel, Emissionshandel statt schnellem Kohleausstieg, Ausbremsen schneller, massiver Klimaschutzmaßnahmen für die Industrie, Verhindern von Energiewende und Verkehrswende, Verhindern einer CO2-Steuer, Erdgas-Offensive, Beenden EEG.

Noch vor einem Jahr gab es laut den der SZ vorliegenden internen Unterlagen Lobbystrategieempfehlungen vom europäischen Industrieverband BusinessEurope, wie zukünftig mögliche schärfere Vorgaben der EU-Kommission für Klimaschutz (auf 45 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030, verglichen mit 1990) von seinen Mitgliedern (in Deutschland BDI und BDA) ausgebremst oder verhindert werden können.

  • Option 1: „Umarmen“, d.h. sich dem positiv gegenüber verhalten, solange es ein rein politisches Papier bleibt und keine Auswirkungen auf die Industrie hat.
  • Option 2: „Verweis auf globales Spielfeld“ Die Industrie Europas könne nicht alleine vorneweg gehen, denn dies bedrohe die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Option 3: „challenge the process“: Bei dieser Lobbystrategie stellt die Industrie den gesamten Prozess infrage, zweifelt an, ob die Klimaziele fair und transparent berechnet wurden, die ökonomischen Folgen ausreichend abgeschätzt wurden oder neue Risiken drohen.
  • Option 4: „Minimieren“. Diese Lobbystrategie ist die perfideste. Bei dieser Lobbystrategie setzt man darauf, andere große Volkswirtschaften davon zu überzeugen, zur EU aufzuschließen und den Umbau in Europa zum Erfolg zu machen. Die Industrie würde sich damit scheinbar an die Spitze der Klimaschützer setzen – und von dort aus die schärferen Vorgaben minimieren.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Wirtschaftsverbände und Unternehmen, die sich noch vor einem Jahr Strategien ausdachten bzw. von Lobbyagenturen ausarbeiten ließen, wie man strengere Klimaschutzziele ausbremsen und verzögern kann, es heute ernst meinen mit ihren Bekenntnissen zum Klimaschutz? Zumal sich zufälligerweise jede der vier empfohlenen Lobbystrategien in den derzeit zu hörenden Argumentationen als auch auf der INSM-Website finden lässt.

Das Ziel von Wirtschaftsverbänden und der INSM als ausschließliches Instrument für Klimaschutz ist der Emissionszertifikatehandel ETS bzw. CO2-Deckel, wie es von den Kreativköpfen der zuarbeitenden Kommunikationsagentur betitelt wurde. Emissionshandel gibt es seit 2005 in Europa, somit seit bereits 14 Jahren. Er ist ziemlich wirkungslos geblieben. Durch Lobbyeinfluss der CO2-erzeugenden Konzerne wurde dafür gesorgt, dass ein riesiger Überschuss an Zertifikaten auf den Markt kam, diese zu Beginn auch noch verschenkt wurden und den CO2 erzeugenden Stromkonzernen ein Zusatzgewinn von ca. 30 Mrd. Euro verschafft wurde, indem diese die betitelten CO2-Preise der in Wirklichkeit geschenkten Zertifikate auf die Stromkunden umlegten.

Statt auf die sofort umsetzbare Lösung, fossile Subventionen zu streichen oder wie von Prof. Dr. Volker Quaschning (scientiests for future) gefordert, Hürden zu beseitigen und ein hohes Ausbautempo der Energiewende der Bürger zu ermöglichen mit Sonne und Wind, die bereits jetzt die günstigsten Stromgestehungskosten haben, wird auf Emissionshandel gesetzt. Mit dem Emissionshandel wurde ein Instrument geschaffen, mit dem man gerade Emissionen erzeugen muss, damit Investmentbanker, die damit Milliarden verdienen und an dessen Aufrechterhaltung großes Interesse haben, weiter handeln und weiter Milliarden verdienen können.

Der Emissionshandel setzt rein auf die Kräfte des Marktes und überlässt den Klimaschutz ausschließlich den Akteuren, die das Problem verursacht haben: den größten Treibhausgas-Emittenten zusammen mit Finanzakteuren. Die Vergangenheit bewies, dass das System maximal anfällig für Geschäftemacherei und Betrug ist.

Investitionen löst der ETS immer nur dann aus, wenn die Vermeidungskosten durch das Abschalten von Anlagen oder einer Investition zur Emissionsminderung geringer sind als das jeweils aktuelle oder für die Zukunft erwartete Preisniveau der Zertifikate. Die betroffenen Unternehmen kauften in der Realität jedoch bereits in der Vergangenheit eher günstige Emissionsrechte (vor allem aus Osteuropa), als in die Reduktion von Treibhausgasen zu investieren, und sichern zukünftig möglicherweise steigende Zertifikatspreise durch Sicherungsgeschäfte, das sogenannte „Hedging“, ab. Schneller und effektiver Klimaschutz sieht anders aus.

Die genauen Zahlen und Grenzen des CO2-Deckels werden von der INSM im Rahmen ihrer Themenkampagne nicht benannt. Diese werden sicherlich derzeit wie bei vorherigen Energie- und Umweltthemen auch von den in Berlin aktiven Lobbyisten der betroffenen Unternehmen und Wirtschaftsverbände direkt mit dem Wirtschaftsministerium und Kanzleramt ausgehandelt. Zusammen mit Ausnahmeregelungen, Begünstigungen u.a. Möglichst schmerzfrei für große CO2-Emittenten und somit unwirksam.

Wie entscheidend diese Grenzen und Rahmenbedingungen sind, zeigte sich bereits 2004. Der damalige Bundeswirtschaftsminister und heutige INSM-Kuratoriumsvorsitzender Wolfgang Clement, der sich bereits als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen für die Fortsetzung der Steinkohlesubventionen und der Förderung großindustrieller Braunkohle-Projekte wie Garzweiler II einsetzte, handelte im Sinne von RWE bessere Emissionshandelskonditionen beim Nationalen Allokationsplan (NAP) für Energiekonzerne und Industrie aus (von 2006-2012 war Clement Aufsichtsratsmitglied von RWE Power AG). Im NAP wurde festgelegt, wie viel CO2 die Industrie insgesamt künftig ausstoßen darf und wie diese Menge über Emissionszertifikate auf die einzelnen Kraftwerke und Fabriken verteilt wird. Greenpeace reagierte mit einer Aktion und projizierte einen Totenkopf in die Abgaswolke des RWE-Kraftwerks und an einen Kühlturm mit dem Spruch „Kohle-Clement zerstört unser Klima“. Das war 2004 …. wir haben heute 2019!

Hermann Scheer formulierte in seinem Buch „der energethische Imperativ“ zum Emissionszertifikatehandel bereits 2010:

„Der Handel mit den Zertifikaten oder deren Verrechnung findet innerhalb des Systems der fossilen Energieversorgung statt, konserviert damit deren Strukturen, wirkt innovationshemmend für Erneuerbare Energien und bremst auch dadurch den Energiewechsel. Die Rolle der konventionellen Energiekonzerne und deren Einfluss auf das Regierungshandeln bleiben weitgehend unangetastet. Aus Instrumenten des Klimaschutzes werden Vehikel für die Bestandssicherung der fossilen Energiewirtschaft.“

Die Fridays-for-future-Jugend hatte im Rahmen ihrer Freitagsaktionen am 16. August 2019 Demonstrationen vor den Gebäuden von INSM und IW in Berlin und Köln mit dem Slogan „INSM bedroht Paris. Profit oder Zukunft?“ Die hektisch anmutende Reaktion der INSM war daraufhin, dauerhaft zu beteuern, dass sie ganz klar für die Ziele von Paris sei und  noch stärker und energischer auf das internationale Emissionshandelssystem zu drängen.

Aufruf zur Demonstration „INSM bedroht Paris“ von FFF Berlin; twitter

In Anbetracht von mittlerweile über 6.000 Lobbyisten in Berlin (bei 709 Bundestagsabgeordneten) und ca. 30.000 Lobbyisten in Brüssel ist der Emissionszertifikatehandel jedoch der leichteste Weg, durch direkten Zugriff auf die Ausgestaltung von Gesetzen, eine – nur in der lobby- und betrugsfreien Theoriewelt der Ökonomen existierende Klimawirksamkeit – wegzulobbyieren und konkrete ökonomische Folgen für fossile Konzerne zu verhindern. Außerdem wird das Tempo einer Energie- oder Verkehrswende von den größten CO2-Emittenten und Finanzakteuren bestimmt. Eine Beschleunigung des Tempos durch die Bürger wie bei der Mitmach-Energiewende durch das EEG ist nicht möglich.

Fossile Konzerne können sich somit verhalten wie bisher, bzw. wie seit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, als Wissenschaftler bereits erstmals vor dem Klimawandel und dessen Folgen warnten und zum Umsteuern aufforderten.

Klimaschutz verzögern, Energiewende ausbremsen!

Wird die INSM-Themenkampagne „Klimaschutz“ so ablaufen wie vorherige Themenkampagnen und in einer Kopie der INSM, bzw. Konzern-Vorschläge als Gesetzesvorlage für die Bundestagsabgeordneten enden? Nachfolgend sind die typischen Phasen von INSM-Themenkampagnen aufgezeigt:

PHASE 1: Klimaschutz zum Thema machen (agenda setting). Betonen des gewünschten Dialogs mit Fridays for future, Inhalte der Gegenseite werden noch weitgehend neutral wiedergegeben, ausgesuchte Personen (z.B. Luisa Neubauer) zunächst noch mit eingebunden, gleichzeitiges Säen erster Zweifel, am Rande Diskreditieren ausgesuchter Akteure (Rezo und YouTuber), Ängste schüren beim kleinen Mann über explodierende Preise mit gleichzeitiger Abstimmungsmöglichkeit in der BILD.

PHASE 2: Langsam die öffentliche Meinung in Salamitaktik scheibchenweise in die eigene Richtung drehen. Dafür sorgen, dass Ursprungsforderungen von Fridays for future (Kohleausstieg bis 2030, Streichen fossiler Subventionen, Umstieg zu 100% Erneuerbare Energien bis 2035, sofort Abschalten von 25% der Kohlekraftwerke) aus der Debatte gedrängt werden.  Verkürzen der Diskussion auf zwei Antipoden: „CO2- Steuer oder Emissionshandel“. Vorstellen der INSM-Agenda (Emissionshandel, bzw. „CO2-Deckel“) für Klimaschutz durch wirtschaftsnahe Professoren. Dafür sorgen, dass mehr und mehr nur noch Argumente und Vorschläge der INSM medial aufgegriffen werden. Emissionshandel („CO2-Deckel“) statt Energiewende und Verkehrswende. Milliardengeschäfte für Finanzakteure statt Streichen fossiler Subventionen und Bürgerenergie. Ggf. kommt auch wieder Atomenergie ins Spiel, Hans-Werner Sinn als “prominenter Kopf” der INSM u.a. argumentieren bereits in diese Richtung. Gleichzeitig Zweifel an der Klimadebatte verstärken über „prominente Köpfe“ der INSM und Wirtschaftsrat der CDU.

PHASE 3: Tagungen und Veranstaltungen der INSM. Gemeinsame Veranstaltungen mit der WELT oder FAZ. Studien und Meinungsumfragen werden veröffentlicht, die den Emissionshandel bevorzugen. Experten von wirtschaftsfinanzierten Instituten fordern als ausschließliches Klima-Instrument den Emissionshandel. Bashing gegen Befürworter von EEG, Mitmach-Energiewende, Verkehrswende, CO2-Steuer. Banker drängen auf die Durchsetzung ihres zusätzlichen lukrativen Geschäftsmodells. Gleichzeitig intensive Bemühungen der INSM, den ausgesuchten Politikern von CDU, SPD, FDP, (evtl. auch ausgesuchte GRÜNE?) den INSM-Lösungsvorschlag Emissionshandel als Gesetzesvorlage schmackhaft zu machen. Die von der INSM eingebundenen Politiker von CDU, SPD, FDP (ggf. auch vereinzelte Grüne?) überzeugen weitere Parteikollegen. Parallel massive direkte Einflussnahme von Unternehmen (z.B. RWE, e.on, Vattenfall, Daimler, VW, Lufthansa u.a.) und Wirtschaftsverbänden (BDEW, BDI, VDA, BDL, Bankenverband u.a.) auf Wirtschaftsministerium und Kanzleramt.

PHASE 4: Altmaier bzw. Kabinett formuliert Gesetz NUR zu Emissionshandel und Beenden des EEG, das den INSM-Forderungen bzw. der von Klimaschutz besonders betroffenen Großunternehmen entspricht. Keine Forderung der FFF-Bewegung wurde umgesetzt. Kein Streichen fossiler Subventionen, kein radikal schneller Umstieg auf 100% erneuerbare Energien bis 2035, kein Kohleausstieg bis 2030, kein sofortiges Abschalten von 25% Kohlekraftwerke, keine CO2-Steuer, keine Verkehrswende hin zu mehr ÖPNV.

Die INSM feiert ihren Erfolg des Klimapakets

PHASE 5: Nach dem Erfolg der Durchsetzung des Emissionshandels und Gefährdung des EEGs wird von der INSM der positive Fokus auf die Klimabewegung und deren Forderung nach Klimaschutz nicht mehr benötigt. Es folgt analog des ab 2012 erfolgten Ausbremsens der Bürgerenergie die Bezahlbarkeits-Kampagne, um die Höhe des Zertifikatpreises für die betroffenen Unternehmen in Grenzen zu halten. Die soziale Frage wird dafür verwendet, ökonomische Interessen der Wirtschaft durchzusetzen (dabei bleibt völlig unerwähnt. dass es insbesondere die INSM war, die für die sozialen Probleme für eine wachsende Anzahl an Menschen erst gesorgt hat!).

Parallel finden im Dauertakt Gespräche zwischen Konzern-Lobbyisten und Wirtschaftsverbänden mit Wirtschaftsministerium/Kanzleramt statt, um den erbrachten Gesetzesvorschlag zu beeinflussen und abzuschwächen. Als Ergebnis bleibt der Zertifikatepreis trotz Nachverhandlungen durch Bundesrat und Vermittlungsausschuss so niedrig, dass er für RWE u.a. ökonomisch schmerzfrei bleibt und für das Klima unwirksam. Die Preishöhe endet als Punktlandung da, wo er zuvor von Wirtschaftslobbyisten mit Altmaier und Kanzleramt ausgehandelt wurde. Vermutlich in der Höhe, wie er vor dem Klimapaket im Emissionshandelssystem bereits war.

Um die Protestbewegung umzulenken und zu beruhigen und zugleich die große Zustimmung in der Bevölkerung zur Schülerbewegung nach und nach ins Gegenteil zu verdrehen, werden zum wiederholten Mal sämtliche Instrumente des indirekten Lobbyings angewandt. Diese waren sowohl in der Vergangenheit als auch beim Forcieren zu aktuellen Beschlüssen der Gegenwart höchst erfolgreich.

Mittels „negative campaigning“ wird die Fridays for future Bewegung und Greta Thunberg zunehmend in den der INSM nahestehenden Leitmedien diskreditiert. Die PR-strategische Umarmung von Lobbyagenturen der Zielgruppe Schüler und Studenten findet auch über YouTube und Influencer statt, um den Fokus auf Emissionshandel und CO2-Preis zu bekräftigen und Diskussionen zu Streichen fossiler Subventionen, Kohleausstieg 2030, sofortigem Abschalten von 25% der Kohlekraftwerke und 100% Erneuerbare Energien bis spätestens 2035 durch Bürgerenergiewende und repariertes, hürdenfreies EEG auszuschließen. Aktivisten der Bewegung, die die größte Reichweitenstärke aufweisen, werden über angebotene Kolummnen in Zeitungen, die INSM-Anzeigenpartner sind, lobbystrategisch umarmt und eingebunden.

Ggf. wird auch wieder das Lobby-Instrument „astroturfing“ angewandt: Gegenbewegungen im Internet oder realem Leben für die Freiheit des motorisierten Individualverkehrs o.a. Parallel dazu werden von den Lobby-think-tanks am laufenden Band Meinungsumfragen initiiert und veröffentlicht, die die schwindende Zustimmung zur Klimabewegung innerhalb der Bevölkerung belegen sollen.

Finale: Trotz weiterhin anhaltender Proteste in der Bevölkerung, Debatten im Bundestag und Bundesrat wird der Kabinettsvorschlag mit nur leichten Veränderungen von der GroKo abgenickt.

Sollte es wieder mal so enden, wird die Fridays-for-future-Bewegung nachhaltig geprägt und politisch sozialisiert werden. So, wie es schon Generationen vor ihr wurden durch ihre Erfahrungen mit Brokdorf, Friedensbewegung, Startbahn, Wackersdorf, Agenda 2010, Laufzeitverlängerung veralteter Atomkraftwerke, Occupy-Bewegung, Freihandelsabkommen, Bürgerenergie, Artikel 13 oder vielem mehr.

Und dann wird es ein paar Jahre später, wenn festgestellt wurde, dass die Treibhausgasemissionen trotz des vermeintlichen Wundermittels Emissionshandel weiterhin stark angestiegen sind, vielleicht eine Bewegung geben, die an den eigentlichen Kern des Problems unserer Demokratie herangeht. Das Rezo in seinem Video übersehen hat und Ursache sämtlicher Themenbereiche ist, die er angerissen hat. Das eklatante Machtungleichgewicht zwischen Zivilgesellschaft und Konzern-Lobbyismus. Dass aus unserer Demokratie eine Lobbykratie geworden ist, in der es nahezu ausgeschlossen ist, Mehrheitsinteressen und Bedürfnisse einer überwältigenden Mehrheit gegen die Kapitalinteressen einer sehr vermögenden Minderheit durchzusetzen.

Vielleicht wird es wieder Pappschilder vieler junger Menschen geben. Mit drastischen, wilden Worten, wie es eben für Jugendliche typisch ist:

Demokratie statt Lobbykratie!
Machtungleichgewicht beenden!
Transparenz statt Meinungsmache!
Stoppt die Meinungsmanipulation durch die INSM!
Stoppt die Demokratiegefährdung durch Konzern-Lobbyismus!

Dazu, lieber Rezo, darfst du auch gerne wieder ein Video erstellen. Und ich ende mit Rezos Worten ab min 54:01 in leicht geänderter Form:

„Wir haben alle Kinder und Enkelkinder, die wir über diese Hintergründe informieren können. Wir können sie bitten und anflehen, nicht auf diese Lobbymethoden hereinzufallen und sich über die Hintergründe zu informieren und sich dagegen aufzulehnen. Damit auch noch ihre Enkel und Urenkel in einer demokratischen, gerechten Welt leben können. Wir können unsere Kinder und Enkelkinder aufklären. Wenn sie diesen Text lesen, werden sie verstehen, woran es liegt, dass die letzten Jahrzehnte so wenig gehandelt wurde und stattdessen nur geredet. Sie können die Themen ihrer Bewegung ausweiten. Denn Eltern und Großeltern ist nichts im Herzen wichtiger als sicherzustellen, dass ihre Kinder und Enkel in einer demokratischen, gerechten, friedlichen Welt leben und kein beschissenes Leben haben.“

Die Sonnenstrategie

Schon in den letzten Jahren habe ich die Urlaubszeit immer mal wieder dazu benutzt, mit etwas Abstand auf unser großes Thema „Energiewende“ zu blicken oder, wie man es aus meiner Sicht besser nennen sollte: „Der Bürgerenergiewende“. Ich halte es mittlerweile für geboten, auf solche sprachlichen Kleinigkeiten sehr genau zu achten, denn wer wie ich die Entwicklung dieses Transformationsprozesses schon über einen sehr langen Zeitraum verfolgt, dem bleibt nicht verborgen, dass sich die ursprünglichen Intentionen einer solchen Bewegung, wie der Energiewendebewegung, durchaus verändern können oder besser gesagt, wie diese auch gezielt von außen verändert werden. Der Artikel ist extrem lang geworden und für Lesemuffel eher ungeeignet, ich weiß … , doch die Fülle der derzeit diskutierten Themen macht es einfach notwendig in die vielen Ecken der Debatte hineinzuleuchten und es juckt in den Fingern, mal ein persönliches Statement dazu abzugeben. Los geht’s… Continue reading „Die Sonnenstrategie“

Etikettenschwindel der INSM – Heute ist es Klimaschutz

Quelle: twitter; fridays for future
Quelle: twitter; fridays for future

Die INSM versteht sich nach eigenen Angaben als Plattform für alle, die sich dem Gedanken der sozialen Marktwirtschaft verbunden fühlen. Genau hier liegt der Etikettenschwindel vor. Die Initiative neue soziale Marktwirtschaft INSM ist eine Plattform, die für die REINE Marktwirtschaft steht. Weder sozial, noch ökologisch, noch ethisch. Gegen die Errungenschaften der sozialen Aspekte der sozialen Marktwirtschaft der Nachkriegsjahre führte die INSM einen regelrechten Feldzug ab den 2000er Jahren. Die dadurch forcierten Gesetze, die 1:1 umgesetzt wurden, führten zu gestiegener Armut und zu gestiegener Altersarmut.

Und da es irgendwann nicht mehr zu übersehen war, dass immer mehr Rentner in Abfalleimern nach Pfandflaschen suchten, kam dann prompt die dazu passende INSM-Kampagne, die allen Deutschen einreden sollte, dass es „den Deutschen so gut gehe wie noch nie“. Dass hierbei mit Durchschnittszahlen argumentiert wurde, die durch Vorhandensein von einigen Milliardären, deren Vermögen stetig angewachsen ist, automatisch nach oben verzerrt wird und rein gar nichts über die reale Verteilung im Land aussagt oder darüber, welches Auskommen mit seinem Einkommen der überwiegende Teil der Menschen im Monat hat, wurde geflissentlich verschwiegen. Alle großen Leitmedien druckten die von der INSM vorgegebenen Schlagzeilen dankbar ab und selbst die Kanzlerin benutzte die INSM-Formulierung

Gleichen Etikettenschwindel gab es auch 2012 bei der INSM-Kampagne „EEG stoppen – Energiewende retten“. Jahre zuvor wurde durch Einflussnahme vom BDI mittels der sehr stark gestiegenen Industrieausnahmen, sowie Einflussnahme des BDEW mittels des 2009 geänderten Wälzungsmechanismus und Implementierung des EEG-Paradoxons durch Merit-Order-Effekt und sinkende Börsenstrompreise die EEG-Umlage künstlich aufgebläht. Die EEG-Umlage stieg dadurch unvergleichlich stärker an, als sie normalerweise rein durch die Förderung der neu hinzugekommenen EEG-Anlagen angestiegen wäre. Der starke Anstieg der EEG-Umlage wurde tatsachenverzerrend durch die INSM und Politik gezielt so kommuniziert, als wäre dieser ausschließlich durch die Förderkosten für Solar- Wind und Biomasse-Anlagen verursacht und die bis dahin erfolgte Bürgerenergiewende in einer beispiellosen Hetzkampagne medial zum Abschuss freigegeben.

Das Ergebnis war ein kompletter Zusammenbruch des Photovoltaik-Zubaus mit 80.000 verlorenen Arbeitsplätzen vor allem im Handwerk und Handel sowie der seit 2018 erfolgte Zusammenbruch des Onshore-Wind-Zubaus, zusätzlich verstärkt durch Gegenbewegungen wie „Gegenwind“ oder „Vernunftkraft“. Der erwartete Arbeitsplatzverlust bei Wind-Onshore liegt bei derzeit 40.000. Nicht die Energiewende wurde gerettet, sondern wohl eher die großen Stromkonzerne vor der bis dahin erfolgten Bürgerenergiewende.

Das von der INSM propagierte „Wettbewerbsmodell Erneuerbare Energien“, umgesetzt durch die EEG-Novelle 2014 und 2017, ist maßgeschneidert für die großen Energieunternehmen, denen zum einen lästige Konkurrenz aus dem Weg geräumt, der Prozess des Wandels gebremst und zugleich der Weg geebnet wurde, langsam selbst mehr Marktanteile bei Erneuerbaren zu gewinnen. Dieser Anteil war bislang verschwindend gering. Das frühere EEG glich nämlich einem gewaltigen Umverteilungsprogramm. Die Einnahmen aus der Stromproduktion landeten nicht wie im fossil-atomaren System ausschließlich auf den Konten von börsennotierten Aktiengesellschaften, sondern kamen vor allem auch unzähligen Landwirten, Familien, Stadtwerken, Gemeinden, Energiegenossenschaften, Handwerksbetrieben und mittelständischen Produktionsbetrieben zugute.

Wer mit dem Zug von Nord nach Süd fährt, kann diesen Wandel deutlich sehen. Als die Zahl der Energiegenossenschaften rasant anstieg und diese mit innovativen PV-Mieterstrommodellen den Bevölkerungskreis derer, die vom EEG profitieren, erweitern konnten und endlich auch Mieter in Sozialwohnungen Teil der Bürgerenergiewende wurden, wurde von der INSM und dem Ausführungsorgan Altmaier eilig die Notbremse gezogen. Mit Ausschreibungen, verpflichtende Direktvermarktung ab 100 Kilowatt und einer Eigenverbrauchsabgabe. Mieterstromprojekte der Energiegenossenschaften traf es besonders hart: Für Direktlieferungen von Solarstrom muss sogar EEG-Umlage in voller Höhe gezahlt werden. Dies entzog gerade den Genossenschaften die wirtschaftliche Grundlage für ihre Mieterstromprojekte. Das überbordend bürokratische Mieterstromgesetz, das 2017 eingeführt wurde, war ebenfalls wieder ein Etikettenschwindel. In der Realität brachte es weitaus mehr Hemmnisse und Einschränkungen für Mieterstrommodelle, als Chancen. Gerade einmal gut 1,5 Prozent des möglichen Förderrahmens von 1000 Megawatt, konkret 15 Megawatt sind nach knapp zwei Jahren ausgeschöpft worden.

Der neue Etikettenschwindel der INSM und auch deutscher Wirtschaftsverbände lautet jetzt Klimaschutz. Und plötzlich geben sich die gleichen Akteure, die über Jahrzehnte Klimaschutz und Energiewende über direkte und indirekte Einflussnahme auf Politik und Medien verhindert und ausgebremst haben, wo es nur ging, oder mittels Greenwashing die Öffentlichkeit gezielt getäuscht haben, als die Retter des Klimas und Versteher der Jugend. Aha. Ich rate jedem, die zahllosen Einträge des „Klimalügendetektors“ der letzten zehn Jahre zu lesen oder die ebenfalls mit vielen Quellen belegten Recherchen von Klimaretter oder Klimareporter und sich selbst ein Bild zu machen. Die INSM spielte übrigens wiederholt eine Rolle: Als Verhinderin von Klimaschutz.

Auffällig ist zunächst, dass die Forderungen der Jugend von der INSM sogleich abgeschwächt werden, indem ein 2 Grad-Ziel und nicht 1,5Grad-Ziel als Marke genannt wird. Forciert wird von INSM und Wirtschaftsverbänden ein CO2-Deckel im Rahmen des europäischen Emissionshandels (ETS). Der Emissionshandel setzt rein auf die Kräfte des Marktes und überlässt den Klimaschutz ausschließlich den Akteuren, die das Problem verursacht haben: Den größten Treibhausgas-Emittenten zusammen mit Finanzakteuren. Bereits Albert Einstein wies sinngemäß daraufhin, dass die Lösung von Problemen nicht denen überlassen werden sollten, die das Problem verursacht haben. Den Emissionshandel gibt es seit 14 Jahren, er hat keinen nennenswerten Effekt gezeigt. Stattdessen wurde sich daran mit etwa 30 Milliarden Euro bereichert, da die verschenkten Zertifikate den Stromverbrauchern auf ihrer Stromrechnung in Rechnung gestellt wurden. Die Vergangenheit zeigte außerdem, dass das System sehr anfällig für Geschäftemacherei und Betrug ist.

Investitionen löst der ETS immer nur dann aus, wenn die Vermeidungskosten durch das Abschalten von Anlagen oder einer Investition zur Emissionsminderung geringer sind als das jeweils aktuelle oder für die Zukunft erwartete Preisniveau der Zertifikate. Die betroffenen Unternehmen kauften in der Realität jedoch bereits in der Vergangenheit eher günstige Emissionsrechte (vor allem aus Osteuropa) als in die Reduktion von Treibhausgasen zu investieren und sichern zukünftig möglicherweise steigende Zertifikatspreisen durch Sicherungsgeschäfte, das sogenannte „Hedging“, ab. Schneller und effektiver Klimaschutz sieht anders aus.

Die genauen Zahlen und Grenzen des CO2-Deckels werden von der INSM nicht benannt. Die werden sicherlich derzeit wie bei vorherigen Energie- und Umweltthemen auch von den in Berlin aktiven Lobbyisten der betroffenen Unternehmen und Wirtschaftsverbände direkt mit dem Wirtschaftsministerium und Kanzleramt ausgehandelt. Zusammen mit Ausnahmeregelungen, Begünstigungen u.a., möglichst wirtschaftsfreundlich für die größten CO2-Emittenten und unwirksam. Wie entscheidend diese Grenzen und Rahmenbedingungen sind, zeigte sich bereits 2004. Als der damalige Bundeswirtschaftsminister und heutige INSM-Kuratoriumsvorsitzender Wolfgang Clement, der sich bereits als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen für die Fortsetzung der Steinkohlesubventionen und der Förderung großindustrieller Braunkohle-Projekte wie Garzweiler II einsetzte, bessere Konditionen beim Nationalen Allokationsplan (NAP) für Energiekonzerne und Industrie aushandelte. Dieser legte fest, wie viel CO2 die Industrie insgesamt künftig ausstoßen darf und wie diese Menge über Emissionszertifikate auf die einzelnen Kraftwerke und Fabriken verteilt wird.

Greenpeace reagierte mit einer Aktion und projizierte einen Totenkopf in die Abgaswolke des RWE-Kraftwerks und an einen Kühlturm mit dem Spruch „Kohle-Clement zerstört unser Klima„. Das war 2004 …. wir haben heute 2019!

2006 wechselte Clement zu RWE in den Aufsichtsrat und blieb dort bis 2016. Seit 2012 ist er für die INSM als Vorsitzender des Kuratoriums tätig.

Die Initiative neue soziale Marktwirtschaft INSM ist eine Lobbyorganisation deutscher Großunternehmen, die sich nach außen den Anschein von Unabhängigkeit und Überparteilichkeit gibt. Alleingesellschafterin der INSM GmbH ist die IW Medien GmbH, die wiederum eine 100 prozentige Tochter des IW Köln ist. Das IW Köln (früher Deutsches Industrie Institut DI) hat bereits seit der Gründung im Jahr 1951 als Trägervereine die beiden Wirtschaftsverbände BDI und BDA.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt: Börsennotierte Aktiengesellschaften, deren größter Anteilseigner Fondsgesellschaften wie beispielsweise Blackrock sind, haben kein Interesse an Klimaschutz oder dem Allgemeinwohl. Das Unternehmensziel ist kurzfristige Gewinnmaximierung, um die Dividendenerwartungen der weltweit verteilten Anteilseigner erfüllen zu können.

Zwei alpin gerüstete Kletterkinder (7 und 10 Jahre alt) fanden am 21. Juni 2019 bei der „Fridays for future“-Klimademo in Aachen ihren eigenen Ausdruck dafür. Sie seilten sich von einer 10 Meter hohen Fußgängerbrücke ab und spannten ein Banner mit der Aufschrift:

„Eure Gier kostet unsere Zukunft“

Wodurch werden Bypassdioden zerstört? Teil 1 Überspannung

Hier im Blog wurde schon des Öfteren darüber berichtet, wie man defekte Bypassdioden in Solarmodulen entdecken kann und welche Fehlerbilder typischerweise auftreten. Hier soll es nun einmal darum gehen, warum Bypassdioden eigentlich kaputt gehen. Der Artikel soll also dazu beitragen, besser zu verstehen, welche Ereignisse zur Zerstörung einer Bypassdiode führen.

Um auch neue Leser, die möglicherweise noch nicht so viel Erfahrung mit der Photovoltaik gesammelt haben, mitzunehmen, möchte ich hier zunächst nochmal kurz beschreiben, was eine Bypassdiode eigentlich ist und welche Funktion sie innerhalb eines Solarmoduls hat.
Die wichtigste Funktion der Bypassdioden ist es, die Solarzellen vor Überhitzung zu schützen. Warum das so ist, soll kurz erklärt werden.

Das Bild zeigt den prinzipiellen Aufbau eines Solarmoduls mit 60 kristallinen Solarzellen und 3 Bypassdioden.
Das Bild zeigt den prinzipiellen Aufbau eines Solarmoduls mit 60 kristallinen Solarzellen und 3 Bypassdioden. Das Modul unterteilt sich in 3 Zellblöcke a jeweils 20 Zellen (blau).

Wie man aus dem Schaltbild zum Aufbau eines Solarmoduls erkennen kann, sind alle 60 Zellen des Moduls in Reihe verschaltet, wobei jeweils 1/3 der Zellen also im Beispiel 20 Stck. mit einer Bypassdiode überbrückt werden. Es gibt also 3 identisch verschaltete Zellblöcke innerhalb des Moduls. Die von den einzelnen Solarzellen innerhalb dieses 20er Blocks gelieferte Spannung fällt an der Bypassdiode als Sperrspannung ab. Das Potenzial an der Kathode ist größer als das Potenzial an der Anode. Die Bypassdiode ist in diesem Betriebszustand (fast) stromlos. Warum hier ein „fast“ in Klammern auftaucht, wird in einem der nachfolgenden Artikel noch erklärt.
Wird eine Solarzelle innerhalb eines solchen Blockes leicht verschattet, so fließt durch diese verschattete Zelle zunächst der gleiche Strom wie durch die unverschatteten Zellen. In einer Reihenschaltung ist dies nicht anders möglich. Die Zelle kann diesen Strom allerdings nicht mehr in Ihrem MPP (Maximum Power Point) (bei Umpp) liefern, da der Mpp-Strom der verschatteten Zelle niedriger ist als der Strom der unverschatteten Nachbarzellen. Der Arbeitspunkt der Zelle auf der UI-Kennlinie wird daher in Richtung Kurzschlussstrom verschoben. Die Zelle liefert daher bei gleichem Strom eine niedrigere Spannung.

Im Diagramm sieht man, wie sich der Arbeitspunkt bei zunehmender Verschattung der Solarzelle zu kleineren Spannungen hin verschiebt, während der Strom zunächst gleich bleibt.
Im Diagramm sieht man, wie sich der Arbeitspunkt bei zunehmender Verschattung der Solarzelle zu kleineren Spannungen hin verschiebt, während der Strom zunächst gleich bleibt.

Nimmt die Verschattung unserer betrachteten Zelle bei gleich bleibender Einstrahlung zu, so wird die Zelle irgendwann im Kurzschluss betrieben. Das bedeutet sie liefert zwar noch den gleichen Strom wie ihre unverschatteten Nachbarn, sie liefert aber keinen Spannungsbeitrag mehr. Die Zelle wird sich, da nun keine elektrische Energie mehr abgeführt wird, gegenüber Ihren Nachbarn schon leicht erwärmen. Nimmt der Schatten noch weiter zu, so wird die Spannung sogar negativ und die Solarzelle wird zum Verbraucher. Auf einer Thermographieaufnahme des betroffenen Solarmoduls kann man diesen Effekt deutlich erkennen und sieht nun eine im Vergleich zu den benachbarten Zellen deutlich wärmere Zelle.

Das Bild zeigt den Stromfluss durch ein Solarmodul mit einer teilverschatteten Solarzelle. Erst wenn die negative Spannung um ca. 0,4V größer ist als die Summe aller Spannungen der unverschatteten Zellen wird die Bypassdiode leitend. Die Diode übernimmt aber nicht sofort den kompletten Strom. Erst wenn die Zelle vollständig verschattet ist, fließt der Strom ausschließlich durch die Diode. Vorher kommt es zu einer Stromaufteilung zwischen den Zellen und der Diode.
Das Bild zeigt den Stromfluss durch ein Solarmodul mit einer teilverschatteten Solarzelle. Erst wenn die negative Spannung um ca. 0,4V größer ist als die Summe aller Spannungen der unverschatteten Zellen wird die Bypassdiode leitend. Die Diode übernimmt aber nicht sofort den kompletten Strom. Erst wenn die Zelle vollständig verschattet ist, fließt der Strom ausschließlich durch die Diode. Vorher kommt es zu einer Stromaufteilung zwischen den Zellen und der Diode.

Betrachtet man die Spannung an der Bypassdiode bei einsetzender Verschattung, so erkennt man, dass die Sperrspannung (immer noch die Summe aller Zellenspannungen) nun abnimmt, da nur noch 19 Solarzellen eine positive-, eine Solarzelle aber eine negative Spannung aufweist. Bei weiter ansteigender Verschattung unserer Schattenzelle wird die negative Spannung die an dieser abfällt nun so groß, dass die Spannung oben an der Bypassdiode zuerst 0V und irgendwann dann schließlich sogar negativ wird. Das heißt es bildet sich nun ein höheres Potenzial an der Anode als an der Kathode, was bei Bypassdioden dann dazu führt, dass diese leitend werden. Da die Bypassdiode nun einen Teil des Stromes übernimmt, schützt sie die verschattete Zelle davor, dass dort die negative Spannung weiter ansteigt und die Verlustleistung so groß wird, dass die Zelle zerstört wird. Die Bypassdiode übernimmt in diesem Moment aber nicht sofort den gesamten Strom und die Solarzellen werden stromlos. Man hört es oft, dass gesagt wird: „Die Bypassdiode schaltet durch“. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Bypassdiode ein passives Bauelement ist. Im Gegensatz zu einem Transistor können passive Bauelemente nicht „durchschalten“. Die Bypassdiode hat, wie jede Solarzelle, eine Kennlinie, die jeder Spannung zwischen Anode und Kathode einen bestimmten Strom zuordnet. Wenn also nun das Anodenpotenzial plötzlich höher wird als das Potenzial der Kathode, so wird die Diode leitend und übernimmt bei steigender Spannung immer mehr Strom. Sie wird allerdings nicht sofort, wie dies fälschlicherweise oft vermutet wird, den kompletten Strom der Zellen übernehmen. Wenn, um bei unserem Beispiel zu bleiben, die verschattete Zelle gerade noch die Hälfte des Stromes ihrer unverschatteten Nachbarn liefern kann, so wird durch alle Zellen des betroffenen Blocks (20 Zellen) genau dieser halbe Strom fließen. Durch die restlichen 40 unverschatteten Zellen der beiden unverschatteten Zellblöcke nebenan kann trotzdem nach wie vor der volle Strom fließen, da unsere Bypassdiode nun die Hälfte des Stromes übernimmt.

Erst wenn die Schattenzelle vollständig verschattet wird und überhaupt keinen Strom mehr liefern kann, wird auch die zugehörige Bypassdiode 100% des Modulstromes übernehmen. Man erkennt bereits an diesen Überlegungen, dass Bypassdioden immer dann besonders beansprucht werden, wenn es zu Teilverschattungen kommt, die ganze Zellen vollständig verdunkeln, während benachbarte Zellen die volle Einstrahlung sehen. Wann Bypassdioden leitend werden, hängt im Betrieb von Photovoltaikanlagen immer auch sehr davon ab, wie der MPP (Maximum Power Point) Regler des Wechselrichters arbeitet. Zieht der MPP Regler zum Beispiel die Spannung extrem weit herunter, stellt also einen Betriebspunkt bei einer Spannung unterhalb der MPP Spannung ein, so können auch dadurch schon vereinzelt Bypassdioden aktiv werden. Es wird dazu kein Schatten benötigt, da grundsätzlich nie alle Solarzellen eines Modulstranges immer den exakt gleichen Kurzschlussstrom haben. Bedingt durch Fertigungstoleranzen und unterschiedliche Verschmutzung gibt es immer Zellen die etwas weniger Strom liefern als andere. Wenn der Wechselrichter nun versucht, dem Modulstrang den maximal möglichen Strom zu entnehmen, so ist dies zwangsläufig damit verbunden, dass sich der gleiche Effekt einstellt, wie er oben für die teilverschattete Zelle beschrieben wurde und einzelne Bypassdioden werden leitend. Auf einer Thermographieaufnahme kann man diesen Effekt sehr gut studieren, da das „leitend werden“ der Bypassdioden immer mit einer ungleichen Temperaturverteilung der Zellen verbunden ist. (siehe dieses Video) auf unserem YouTube Kanal.

Im Bild oben wurde der Arbeitspunkt des Solargenerators gezielt so verstellt, dass er unterhalb des MPP (Maximum Power) Point lag. Einige Bypassdioden sind schon leitend geworden und an den betroffenen Modulen wird pro Substring immer mindestens eine Zelle warm.
Im Bild oben wurde der Arbeitspunkt des Solargenerators gezielt so verstellt, dass er unterhalb des MPP (Maximum Power) Point lag. Einige Bypassdioden sind schon leitend geworden und an den betroffenen Modulen wird pro Substring immer mindestens eine Zelle warm. Wenn man das Bild anklickt, sieht man ein Video, bei dem der Arbeitspunkt vom Leerlauf bis zum Kurzschluss verstellt wurde. Während des Vorganges wurden ständig Thermographieaufnahmen gemacht.

Nach dieser etwas längeren Vorrede möchte ich mich nachfolgend damit beschäftigen, wie Bypassdioden typischerweise zerstört werden können. Hier im Blog wurden ja schon einige Artikel darüber geschrieben, wie man die verschiedenen Fehler im Zusammenhang mit Bypassdioden aufspüren kann.
Die wichtigsten beiden Artikel handeln davon, wie man kurzgeschlossene – und offene Bypassdiodenstrecken finden kann.
Hier der Link zum Thema kurzgeschlossene Diodenstrecken und
hier der Link zum Thema offene Diodenstrecken. 
Wer Lust auf noch mehr Artikel zu dem Thema hat kann einfach mal diesem Link folgen.

Eine wichtige Frage im Zusammenhang mit zerstörten Bypassdioden ist immer, wie es denn zur Zerstörung der Diode(n) kommen konnte. Hier steht natürlich insbesondere die Frage im Mittelpunkt, ob es sich um ein äußeres Ereignis gehandelt hat, etwa eine Überspannung durch ein Gewitter, oder ob es sich um Bauteilversagen gehandelt hat?
Im Nachhinein lässt sich diese Frage oft nur schwer beantworten. Im Wesentlichen sind mir in meiner bisherigen Praxis drei Fehlerbilder begegnet. Kurzgeschlossene Bypassdioden, die äußerlich keine Auffälligkeiten gezeigt haben, aber elektrisch vollständig durchkontaktiert waren (0 Ohm zwischen Anode und Kathode), offene Bypassdiodenstrecken, die oft auch mit großer Wärmeentwicklung in der Anschlussdose verbunden gewesen sein müssen und ein Zwischending aus beiden vorgenannten Fehlern, bei denen die Dioden ihre eigentliche Funktion eingebüßt hatten, aber dennoch ein ohmscher Restwiderstand zwischen Anode und Kathode zu messen war. Eine eindeutige Diagnose ist bei allen Fällen immer dann gegeben, wenn es ein Gewitter Ereignis in unmittelbarer Nähe der Anlage gab und in einem Modulstrang nahezu alle Bypassdioden kurzgeschlossen sind. Hier ist es nicht schwierig, eine Überspannung für den Schaden verantwortlich zu machen. In vielen Fällen ist dann auch der Wechselrichter geschädigt.

Das Bild zeigt die Elektrolumineszenzaufnahme einer PV-Anlage, bei der nur eine einzige Bypassdiode ein Überspannungsereignis überlebt hat. Alle anderen Dioden waren kurzgeschlossen.
Das Bild zeigt die Elektrolumineszenzaufnahme einer PV-Anlage, bei der nur eine einzige Bypassdiode ein Überspannungsereignis überlebt hat. Alle anderen Dioden waren kurzgeschlossen.

Manchmal sind aber auch nur vereinzelt Dioden geschädigt oder es lässt sich keine eindeutige Zuordnung zu einem Blitzereignis herstellen.

Das Bild zeigt die Elektrolumineszenzaufnahme eines Modulstranges mit insgesamt 4 defekten (kurzgeschlossenen) Bypassdioden.
Das Bild zeigt die Elektrolumineszenzaufnahme eines Modulstranges mit insgesamt 4 defekten (kurzgeschlossenen) Bypassdioden.


Um besser zu verstehen bei welchen Belastungen eine Bypassdiode typischerweise aufgibt, habe ich mir mal eine größere Menge Schottkydioden besorgt, wie sie typischerweise in PV-Modulen eingebaut werden und habe diese im Labor gezielt malträtiert, in der Hoffnung etwas mehr über diese Bauelemente zu lernen.

Das Bild zeigt eine Schottkydiode vom Typ 10SQ50 mit einem Nennstrom von 10A und einer Sperrspannung von maximal 50V. Dioden dieser Art werden häufig als Bypassdioden verwendet.
Das Bild zeigt eine Schottkydiode vom Typ 10SQ050 mit einem Nennstrom von 10A und einer Sperrspannung von maximal 50V. Dioden dieser Art werden häufig als Bypassdioden verwendet.

Zum Einsatz kamen in meinen Tests Schottkydioden vom Typ 10SQ050 mit einem Nennstrom von 10A und einer Sperrspannung von 50V. Hier ein Datenblatt des verwendeten Diodentyps:

In den Standardsolarmodulen sind diese Dioden Sperrspannungen von bis zu 14V (der maximalen Leerlaufspannung von 20 Zellen) ausgesetzt, so dass hier ein Sicherheitsabstand vom Faktor 3,5 besteht. Mit 10 A wären die Dioden für die neusten Zelltypen schon zu schwach dimensioniert. Man findet allerdings auch Modulanschlussdosen, in denen 2 dieser Bypassdioden parallel verschaltet werden.

Das Bild zeigt die Modulanschlussdose eines Solarmoduls. Man erkennt die 3 Bypassdiodenstrecken. Es wurden auf jeder Strecke jeweils 2 Bypassdioden parallel geschaltet.
Das Bild zeigt die Modulanschlussdose eines Solarmoduls. Man erkennt die 3 Bypassdiodenstrecken. Es wurden auf jeder Strecke jeweils 2 Bypassdioden parallel geschaltet.

Schottkydioden verwendet man in Solarmodulen gerne, weil sie eine geringere Durchlassspannung im leitenden Betrieb haben und daher bei Teilverschattung eines Solarmoduls eine geringere Verlustleistung und damit einer geringere Wärmeentwicklung verursachen. Benannt sind diese Dioden übrigens nach dem deutschen Physiker und Elektrotechniker Walter Schottky.
Im ersten Test wollte ich zunächst ausprobieren, ab welcher Spannung die Dioden versagen, ob sie bei Überschreiten dieser Spannung direkt zerstört sind und welches Fehlerbild sich einstellt. Es wurde daher eine Diode mit einer Gleichspannung in Sperrrichtung belegt, die während des Versuchs kontinuierlich gesteigert wurde, bis die Diode schließlich elektrisch durchbricht. Was in diesem Moment genau passiert, kann man hier nachlesen. Es wurde der Strom und die Spannung durch die Diode gemessen. Das anschließende Video zeigt den Test.

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Das Video zeigt ab welcher Spannung die im Test verwendete Diode zerstört wird. Die Dioden waren anschließend kurzgeschlossen.

Ergänzend muss gesagt werden, dass das verwendete Netzteil (pvServe) im Ausgang auf der DC Seite einen Kondensator hat. Im Augenblick des Durchbruchs bei ca. 84V (also ca. 68% über der Nennspannung) kommt es daher zu einer Stromspitze, die die Bypassdiode sofort zerstört hat. Die Umgebungstemperatur lag bei ca. 20°C.

Im nächsten Test wurde dann der Strom durch einen Vorwiderstand begrenzt, um zu zeigen, dass die Schottkydioden im sogenannten Durchbruch bei geringer Stromstärke betrieben werden können, ohne dass sie zerstört werden.

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Im Video sieht man, wie man Bypassdioden in den Durchbruch bringen kann ohne sie zu zerstören, in dem man den Strom durch die Diode begrenzt.

Wie im Video zu sehen, kann man die Diode in den Durchbruch bringen, ohne sie zu zerstören, in dem man den Strom begrenzt, der in Sperrrichtung durch die Diode fließt. Auch am Ende im Video, als die Diode zerstört wurde, war sie bedingt durch die Strombegrenzung nicht vollständig durchkontaktiert, sondern hat einen Restwiderstand von 19 Ohm behalten. Dies ist wichtig, da bei solch geschädigten Bypassdioden im Betrieb im Solarmodul dann nicht 0V, sondern eine Spannung größer 0V abfällt. Man bekommt also nicht die für defekte Bypassdioden typische Differenzspannung von 9-13V im Vergleich zu intakten Strängen.

Das Bild zeigt, dass die Bypassdioden beim Durchbruch verursacht durch eine Überspannung nicht zwangsläufig zerstört werden müssen. Begrenzt man den Strom beim Durchbruch wie hier im Bild auf ca. 700mA (200mA/Div) wird die Diode nicht zerstört, da die im Halbleiter umgesetzte Verlustleistung nicht groß genug war. Nach einer kurzen Erholungsphase (Abkühlung) kann sie die volle Sperrspannung wieder aufnehmen.
Das Bild zeigt, dass die Bypassdioden beim Durchbruch – verursacht durch eine Überspannung – nicht zwangsläufig zerstört werden müssen. Begrenzt man den Strom beim Durchbruch wie hier im Bild auf ca. 700mA (200mA/Div) wird die Diode nicht zerstört, da die im Halbleiter umgesetzte Verlustleistung nicht groß genug war. Nach einer kurzen Erholungsphase (Abkühlung) kann sie die volle Sperrspannung wieder aufnehmen.

Erst wenn die im Augenblick des Durchbruchs umgesetzte Verlustenergie einen bestimmten Wert überschreitet, wird die Diode zerstört.

Das Oszillogramm zeigt die Zerstörung einer Bypassdiode durch eine Überspannung. Bedingungung für die Zerstörung ist, dass im Moment des Durchbruchs ausreichend großer Strom fließt (>700mA) um die Diode so zu zerstören, dass sie anschließend einen Widerstand von 0 Ohm zwischen Anode und Kathode aufweist.“ class=“wp-image-3097″/><figcaption>Das Oszillogramm zeigt die Zerstörung einer Bypassdiode durch eine Überspannung. Bedingung für die Zerstörung ist, dass im Moment des Durchbruchs ausreichend großer Strom fließt (>700mA) um die Diode so zu zerstören, dass sie anschließend einen Widerstand von 0 Ohm zwischen Anode und Kathode aufweist.</figcaption></figure>



<p class=Liegt der Strom irgendwo zwischen den beiden oben gezeigten Oszillogrammen, kann es zwar zu einer Zerstörung der Diode kommen, sie hat allerdings noch einen Restwiderstand zwischen Anode und Kathode, der über 0 Ohm liegt. Auch solche Fälle habe ich in der Praxis schon beobachtet.

Das Oszillogramm zeigt den Durchbruch einer Bypassdiode, bei der die Verlustenergie nicht ganz ausgereicht hat, dass die Diode anschließend niederohmig kurzgeschlossen war. Der Restwiderstand zwischen Anode und Kathode betrug noch ca. 19 Ohm.
Das Oszillogramm zeigt den Durchbruch einer Bypassdiode, bei der die Verlustenergie nicht ganz ausgereicht hat, dass die Diode anschließend niederohmig kurzgeschlossen war. Der Restwiderstand zwischen Anode und Kathode betrug noch ca. 19 Ohm.

Im nachfolgend gezeigten Oszillogramm kann man nochmal sehen, was passiert, wenn man die Spannung nicht von Hand hochdreht, sondern den Spannungsanstieg durch den Vorwiderstand so einstellt, dass der komplette Zerstörungsvorgang der Diode auf ein Oszillogramm passt.

Das Bild zeigt, was passiert, wenn die Spannung an einer Bypassdiode ansteigt und schließlich unzulässig hohe Werte erreicht. Zunächst beginnt ab 74V ein Sperrstrom zu fließen, der kontinuierlich größer wird. Die Spannung an der Diode steigt kontinuierlich auf ca. 110V. Dort bleibt der Wert bis zur Zerstörung der Diode nahezu stabil.
Das Bild zeigt, was passiert, wenn die Spannung an einer Bypassdiode ansteigt und schließlich unzulässig hohe Werte erreicht. Zunächst beginnt ab 74V ein Sperrstrom zu fließen, der kontinuierlich größer wird. Die Spannung an der Diode steigt kontinuierlich auf ca. 110V. Dort bleibt der Wert bis zur Zerstörung der Diode nahezu stabil.

Am Schluss dieses Artikels möchte ich noch festhalten, dass es mir nicht gelungen ist, mit Überspannungen an der Diode ein Aufplatzen des Diodengehäuses zu verursachen oder die Diode so zu schädigen, dass die Diodenstrecke nach Abschluss des Vorganges komplett offen war, so wie man es in der Praxis gelegentlich beobachtet. Die im Halbleiter aufgetretenen Schäden waren äußerlich am Gehäuse nicht erkennbar. In Fällen der totalen Zerstörung der Dioden muss demnach offenbar eine noch größere Verlustleistung in der Diode umgesetzt worden sein. Diese Fälle konnte ich durch reine Überspannungen an den Dioden nicht nachstellen. Hier muss es sich wahrscheinlich um Überströme in Durchlassrichtung oder um Folgeströme im Anschluss an ein Überspannungsereignis handeln. Da der Artikel mittlerweile schon recht lange geworden ist, möchte ich das Thema „Bypassdiodenzerstörung durch Überstrom“ auf einen weiteren Artikel verschieben, der dann demnächst hier im Blog erscheinen wird.

Zu guter Letzt möchte ich noch die Leser dieses Artikels ermuntern, eigene Erfahrungen mit defekten Bypassdioden zu schildern.

Termine für 2019

Unsere ersten Termine für 2019 stehen mittlerweile fest:

Das Frühjahrs-Fehlersuche Seminar findet am 07. und 08.2.2019 statt. (eine Woche vor dem PV-Symposium auf Kloster Banz)

Das neue Praxisseminar „Rückstromtechniken“ findet 15.03.2019 statt.
Das pvServe Anwendertreffen findet am 09.02.2018 statt.